Es hat sich ausgeweihnachtet und -geneujahrt

Januar 26, 2012

Eigentlich, ja eigentlich… schreibt man am 25. Januar nicht mehr über Christbäume, Weihnachtsferien und Silvesterfeiern. Eigentlich.
Aber uneigentlich komme ich fast nicht drum rum.

Christmas Tree

Kurzversion: Weihnachten war beschaulich und streckenweise fad, aber da es sich um unser erstes Weihnachten ganz alleine in einem fernen Land handelte, war es doch auch etwas besonderes. Wir haben nach guter deutscher Tradition am Heiligabend gefeiert mit Entenbraten, Knödeln und einem weißblauen Weihnachtsbaum und die Weihnachtsfeiertage Computer reparierend und mit Besuch aus Los Angeles verbracht.
Mit dem sind wir dann unter anderem auf der berühmten Christmas-Tree-Lane in Alameda spazieren gegangen. Alle Bewohner dieser Straße (bis auf ein oder zwei Häuser macht jeder mit) machen zu Weihnachten ein Faß auf und schmücken die komplette Straße – Häuser, Vorgärten…

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Silvester war dann wieder ne andere Sache. Also irgendwie ist das hier alles gaaaaaaanz anders. So ohne Feuerwerk und Fondue-Gelage. Wer feiern will, geht auf eine teure Party, wem’s egal ist, der bleibt zuhause und sieht fern. So zumindest mein Eindruck.

Wir wollten ursprünglich eigentlich nach Las Vegas fliegen und Silvester ordentlich Geld erzocken. Aber beim Blick auf unser Konto und der Aussicht auf einen Hawaii-Urlaub im Frühjahr haben wir es uns dann doch anders überlegt (weil das mit dem Geld ERzocken seltener klappt als das VER zocken) und uns für einen kurzen Roadtrip entschieden. Mein Freund Mark gab uns den Tipp, doch mal zur Central Coast zu fahren. Das sei die Gegend, die noch am ehesten als ‘klassisch kalifornisch’ bezeichnet werden kann. Gutes Wetter, freundliche Leute, spanische Architektur, easy living.

Ein Hotelzimmer war schnell gebucht und auf dem Weg nach San Luis Obispo machten wir Halt beim Hearst Castle. Das ist eigentlich (und schon wieder sind wir beim eigentlich…) ein ziemlicher Touristennepp. ABER: wunderschön! Der unglaublich reiche Zeitungsverleger und Kunstsammler William Hearst hat sich hier in den 20er-40er Jahren einen Traum verwirklicht und mit der Architektin Julia Morgan zusammen diese Anlagen mit atemberaubendem Blick auf den Pazifik gebaut. Und zwar genau auf halbem Weg zwischen Los Angeles und San Francisco. In den 30er Jahren war das ‘Schloss’ ein beliebter Treffpunkt für die High Society aus Hollywood.
Hier trafen sich Leute wie Clark Gable und Charlie Chaplin zu rauschenden Partys und entspannten Tagen am Pool. Ich habe fleißig Bilder gemacht und möchte Euch die natürlich nicht vorenthalten…

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Den Silvestertag selber haben wir dann damit verbracht, erst auf einen Hügel zu steigen…

Morro Bay

Morro Bay

… und dann haben wir uns von einem ortsansässigen Touristen-Guide das Städtchen zeigen lassen. Der war prima, wußte unglaublich viel und hat uns jede Menge spannender Geschichten über die Entstehung der Missions, den Eisenbahnbau und einen der berühmtesten Chinesen Kaliforniens erzählt. Batman war auch in der Stadt…

Bat Mobile

Er ist aber ne ziemliche Schlampe…

Bat Mobile

Abends dann das Higlight, eine Silvestervorstellung im Great American Melodrama & Vaudeville in Oceano. Was ein Spaß! Die Show war super, das Buffet sehr amerikanisch (Steak und Bohnen) und jeder schien jeden zu kennen. Wir konnten von den Einheimischen erfahren, dass der Besuch des Theaters hier seit über 30 Jahren eine beliebte Silvester-Tradition ist.

The Great American Melodrama and Vaudeville, Oceano

Um Mitternacht gab es Sekt und Konfetti und der Herr W. machte mal wieder dicke Backen…

Maurice

…und dann war die Sache auch schon vorbei.

Der alljährliche weihnachtliche Familienwahnsinn und die silvesterliche Straßenschlacht auf der Isarbrücke haben uns natürlich schon etwas gefehlt, aber wir hatten auch so eine schöne Zeit und uns auch kaum in die Haare gekriegt :-)

Und zum Schluss noch: vielen vielen Dank für die vielen netten Mails und die Weihanachtskarten! Ich beantworte das alles noch nach und nach. Versprochen! Jetzt mache ich allerdings erstmal eine Weile Mailpause, morgen kommen nämlich meine Schwiegereltern an und die werden mich die nächsten zweieinhalb Wochen sicher ganz schön auf Trab halten!


Thanks, yo!

Dezember 1, 2011

Uaaaaaah… nach einer kurzen Arbeitspause und einem wirklich sehr schönen Thanksgiving sitze ich nun wieder in der South Bay in meinem temporären Büro und habe heute so gar keinen Drive. Mir gegenüber sitzt eine Kollegin aus der französischen Schweiz, die auch nicht viel motivierter zu sein scheint als ich. Na, das kann ja heiter werden. Wir testen nach wie vor beide die Benutzeroberfläche einer Software für ein medizinisches Diagnosegerät. Eigentlich spannend, manchmal aber auch sehr öde.

Am Wetter kann das Motivationsloch eigentlich nicht liegen. Heute Morgen auf dem Herweg war es zwar recht neblig und dadurch lief der Verkehr auch sehr zäh (Kalifornier können bei schlecht(er)em Wetter nicht Auto fahren könnte man meinen), aber nun ist die Sonne raus gekommen und blendet mich schon fast in meinem Nicht-Cubicle. Ha, während die kleinen Lohnsklaven hier alle in ihren Kästchen sitzen, haben die Schweizerin und ich nämlich ein richtig schönes Zweierbüro mit Fenster. Consultant muss man sein!
Überhaupt… Herbst in Northern California: golden, sonnig, warm, herrlich! Eigentlich das perfekte Reisewetter. Die Touristen haben sich verzogen, die Hotels und Mietwagen sind wieder günstiger. Ich kann es Euch nur empfehlen…

Ach ja… Thanksgiving. Ein Fest der ersten Male: ich habe meinen ersten Truthahn zubereitet, dazu Stuffing und Cranberry-Sauce. Alles noch nie ausprobiert, alles gelungen. Unsere Gäste haben jede Menge Leckereien mitgebracht, so dass wir ein richtig festliches Buffet aufbauen konnten…

Thanksgiving 2011

Thanksgiving 2011

Thanksgiving 2011

Wir haben zum allerersten Mal unseren offenen Kamin angeworfen.
Das erste Mal habe ich meinen Geburtstag wissentlich an Thanksgiving gefeiert (es kursieren ja Gerüchte, dass meine Mutter nach meiner Geburt damals von amerikanischen Freunden Turkey-Reste ins Krankenhaus gebracht bekam), das erste Mal habe ich an meinem Geburtstag Bang! gespielt :-) Es gab kein Tischgebet und wir haben auch nicht reihum verkündet, wofür wir dankbar sind – wie man das ja oft in kitschigen Filmen sieht.
Aber Euch kann ich es ja verraten: ich bin dankbar für diese ganze Erfahrung hier, unsere neuen und alten Freunde, unsere Familien und den besten aller Ehemänner, der dieses Jahr zwar vergessen hat, in meine Geburtstagskarte was reinzuschreiben, das aber immerhin unter Androhung fürchterlicher Strafen mittlerweile nachgeholt hat. Heimlich. Und hoffentlich mit einem schlechten Gewissen :-)

Nun steht schon wieder das nächste “Feschtle”bevor und auch da wird es einige erste Male geben. Das erste Mal Weihnachten zu zweit und ohne Familie feiern, den ersten Weihnachtsbaum kaufen (haben wir tatsächlich noch nie getan!), das erste Weihnachtskonzert vom schwulen Männerchor besuchen..


The world as we know it

November 6, 2011

Wow, es ist schon November, wo ist nur die Zeit geblieben???

Einiges ist in diesen letzten Wochen los gewesen, der Großteil davon ist schon gar nicht mehr wahr…
Aber wenn es Euch interessiert (und auch, damit ich mal was habe, was ich meinen Enkeln zeigen kann), schreibe ich mal ein bisschen auf, was wir so getrieben haben seit dem letzten Blog-Eintrag und setze auch ein paar Bilder rein.

Ende September/Anfang Oktober hatten wir jede Menge Besuch aus bayerischen Landen. Erst zwei junge Weltenbummler (wißt Ihr, wann man sich spätestens arschalt fühlt? Wenn die KINDER von Freunden auf Weltreise sind und einen besuchen kommen. DIE KINDER!), dann unsere nur marginal älteren Schnuckels Rosy und Patrick. Schön war’s. Ihr dürft alle wieder kommen! Wir haben wieder jede Menge Tourikram gemacht und uns köstlich amüsiert, z. B. auf der Folsom Street Fair (Videomaterial kann unter meinem letztjährigen Eintrag eingesehen werden, anders war es dieses Jahr auch nicht) und an den nebligen Pazifikküsten nördlich von San Francisco. Trotzdem ist das Abschied nehmen immer wieder etwas bittersüß.

Muir Beach lookout

Im Oktober haben Maurice und ich dann noch einen romantischen Kurztrip nach Monterey unternommen. Das Wochenende war hervorragend gewählt. Super Wetter, traumhaft schöne Aussichten auf dem 17-Mile-Drive entlang der Küste zwischen Monterey und Carmel und erträglich viele Besucher im Monterey Bay Aquarium.

Wir haben beeindruckende Strände gesehen…

17 mile drive

…einen wundervollen Sonnenuntergang…

Sunset in Monterey

… und haben uns auch mal nen Ast gelacht…

Alexa and Maurice

Optisch der Oberhammer war dann allerdings doch das Aquarium:

Monterey Aquarium

Monterey Aquarium

Monterey Aquarium

Monterey Aquarium

Da fahren wir mal wieder hin!

Und nun? Nun hat uns der dröge Arbeitsalltag wieder. Wobei mein Alltag etwas durch einen neuen Job aufgelockert wird, in dem ich noch bis Ende November/Anfang Dezember schuften werde. Ich arbeite nämlich drei Tage pro Woche bei einem Kunden vor Ort in Sunnyvale und teste dort hochkomplizierte Software. Ein Traum! Leider bedeutet das eine Pendelzeit von eineinhalb bis zwei Stunden. Einfach. Aber alleine die freundlichen Gespräche in der Kaffeeküche machen das schon wieder wett. Kollegen können was nettes sein, besonders, wenn die ganze Sache absehbar ist.

Von Halloween (warum will ich eigentlich immer Helloween schreiben? Hello?) Ende Oktober haben wir hier nicht viel mitbekommen, wir wohnen halt doch eher in einer Rentnersiedlung. Dieses Jahr haben wir uns wenigstens zurückgehalten und keine Süßigkeiten gekauft. Eigentlich sollte man ja gerüstet sein für den Fall, dass  man überraschend von gruselig verkleideten Kindern heimgesucht wird. Aber wir waren stand- und heldenhaft! Letztes Jahr in Bernal Heights kam nämlich auch keiner und wir mussten all die Schokolade selber essen.
Aber immerhin wissen wir, dass es im fernen Landshut einen gibt, der ganz viel Spaß hatte! (Lieber Leander, wir wünschen Dir alles, alles Gute! Lass die Faxen sein und komm bald wieder auf die Beine! Wir denken ganz oft an Dich und Deinen Anhang!)

Und endlich, endlich nach wer weiß wie vielen Wochen schlafe ich auch wieder ohne Rückenschmerzen. Nachdem der Bettrahmen nach der Ankunft ja leichte Schäden erlitten hatte, ging vor ein paar Wochen dann plötzlich meine Matratze aus dem Leim. Und nun finde mal in Amerika eine Matratze mit deutschen Maßen. Unmöglich! Gottseidank haben wir dann nach vielem hin und her hier auf der Insel einen Laden gefunden, der uns eine Maßanfertigung machen konnte. Für nur 50 Dollar Aufpreis wurde uns eine Standard-Matratze entsprechend beschnitten und nun schlafe ich wieder wie ein Murmeltier. Hurra!

Sonst genießen wir einfach unsere Zeit, wenn wir nicht arbeiten. Maurice, die alte Spielratz hat eine Menge Kumpels, mit denen er Brettspiele spielt, ich bin auch manchmal dabei. Wir gehen eifrig ins Fitnessstudio (es macht sogar Spaß. Manchmal…) und wenn das Wetter schön ist machen wir Spaziergänge am Meer oder gehen in den umliegenden Hügeln “Bergsteigen”.

Alameda

(Jaja, das ist weder ein Meer noch ein  Berg noch ein Hügel, aber ein sehr schnuckliger Park inklusive Steg in unserer Nähe)

Ja und dann sind da auch immer mal wieder diese schicken kleinen Erdbeben. Heute hatten wir mal wieder eines mit der Stärke 3,2. Die letzten waren etwas stärker, eins sogar bei 4,0. Insgesamt habe ich jetzt 5 Erdbeben hier miterlebt. Alle nur klein und nicht mehr als ein Ruckeln und ein kurzer Schreck. Ich bin nicht besonders scharf drauf, etwas größeres zu erleben, mir rutscht ja schon bei sowas das Herz in die Hose.

Bisher hatten wir übrigens den ganzen Herbst über super Wetter mit Temperaturen bis in die oberen 20er. Und heute hat der Regen angefangen. Böse Zungen behaupten, der würde jetzt nicht mehr aufhören bis März. Na, wir werden sehen…


Jetzt aber wirklich: we are sowas von worthy!

September 11, 2011

Kaum ist ein halbes Jahr im neuen Haus vergangen, schon trudeln bei uns jede Woche mehrere Briefe ein, in denen uns Kreditkarten angeboten werden. Es hat also scheinbar tatsächlich geholfen, Schulden gemacht zu haben. Ach ja, das interessante amerikanische Finanzsystem… kaum hat man mal einen Credit Score von über 700…

Schlau wie wir nun mal sind, haben wir also bei unserer Hausbank angefragt, ob wir JETZT vielleicht bitte eine Kreditkarte bekommen könnten. Brauchen wir ja unbedingt, denn je mehr Kreditkarten man hat, desto schneller wächst der Credit Score und desto meeeeeeeeeeeehr Kredite kann man aufnehmen bzw. desto besser sind die Konditionen, wenn man einen Kredit aufnimmt. Unser Auto zahlen wir z.B. gerade mit einem Zinssatz von 9,5 % ab, was schon ganz schön viel ist.
Jedenfalls haben wir beide nun problemlos Karten von der Hausbank bekommen. Der Bankfuzzi hat sich selbst gewundert, wie schnell wir freigeschaltet wurden. Wir sind eben DOCH kreditwürdig! Ha!


Übrigens…

August 31, 2011

Bei Lufthansa gibt es noch bis zum 6. September günstige Flüge nach San Francisco. Abflug zwischen November 2011 und März 2012. Nur mal so zur Info *pfeif*


S(n)hake, Rattle & Roll

August 25, 2011

Welches Thema wäre wohl besser geeignet, um meine Blog-Abstinenz zu beenden? Worum es geht? Genau! Um Erdbeben!

Gestern gab es ja ein größeres an der Ostküste, das einigen Schaden an Gebäuden angerichtet hat, aber bei dem Gott sei Dank kaum jemand verletzt wurde. Ich war ja schon leicht neidisch, weil ich seit einem guten Jahr darauf warte, mal etwas zu spüren. Und prompt gab es dann auch hier am Abend ein Beben. Es hatte zwar lediglich eine Stärke von 3,9, aber da das Epizentrum nur 10 Meilen von unserem Haus entfernt lag, hat es doch ganz schön gerummst. Der Kronleuchter hat auch angefangen zu schaukeln. Gruselig! Wir sind also nun erdbebentechnisch entjungfert. Wegen mir hätte das auch durchaus gereicht. Und was passiert? Heute Vormittag kam gleich der nächste Knaller. Diesmal saß ich auf meinem Bürostuhl und der bewegte sich plötzlich ganz von alleine. Stärke: 3,5. Ich hoffe mal, dass das keine Vorboten von was Größerem waren. Ich habe mich vorsichtshalber gleich mal für die nächste Erdbeben-Schulung beim örtlichen Fire Department angemeldet. Better safe than sorry!

Was gibt es sonst noch neues? Hm… wir leben so vor uns hin. Nichts weltbewegendes (außer, dass sich eben manchmal der Boden bewegt…). Momentan versuchen wir, Amerikaner für europäische Brettspiele zu begeistern (hier ‘Eurogames’ genannt). Ich werde bei Gelegenheit mal davon berichten, ob das von Erfolg gekrönt ist. Maurice sucht außerdem noch nach Schafkopfspielern, aber ich fürchte, das kann er sich abschminken.
Unsere sozialen Kontakte sind natürlich bei weitem noch nicht so umfangreich wie in München. Manchmal nervt das ein bisschen, meistens kommen wir klar.
Noch gleichen wir das sehr schön damit aus, dass wir mehr alleine unternehmen, wandern gehen, ins Kino, auf Flohmärkte, neue Restaurants ausprobieren etc. (wobei sich für letzteres auch immer öfter ein paar Eingeborene finden, die mitkommen… Amis und essen halt).

Besonders das Wandern hat es uns sehr angetan. Hier in der Bay Area gibt es aber auch SO viele Möglichkeiten. 5 Minuten Autofahrt und wir können am Strand meilenweit laufen. 15 Minuten in die andere Richtung und wir können uns durch die Wanderpfade der Oakland Hills schlagen. Noch warte ich auf meine erste Begegnung mit einer Klapperschlange. Muss aber nicht sein. Wobei ich kürzlich gelesen habe, dass größtenteils 18-25jährige alkoholisierte Männer von Klapperschlangen gebissen werden. Das hat mich dann wieder beruhigt ;-)

Ach ja… ich bin mal wieder etwas malad, liege hier so rum und kuriere eine Grippe aus, die mich am Wochenende aus dem Hinterhalt angefallen hat. So eine richtig fiese Kopf-Hals-Gliederschmerzen-Grippe mit Fieber und mieser Laune. Heute war zumindest das Fieber schon mal weg, die Stimme leider gleich mit. Mal schaun, wann die wiederkommt. Ich könnte ja nicht mal schreien, wenn’s wieder bebt (oder mich eine Klapperschlange beisst).


Heute vor einem Jahr…

Juni 5, 2011

…sind wir mit vier Koffern in San Francisco gelandet. An manchen Tagen kommt es mir wie eine Ewigkeit vor, dann wieder habe ich das Gefühl, wir sind erst gestern angekommen.


Wie Weihnachten!

Juni 1, 2011

Es ist kaum zu glauben, aber wahr… ziemlich genau ein Jahr, nachdem wir in München unsere Sachen eingepackt haben, ist nun der Container in Oakland angekommen. Wer hätte das gedacht?

Wir hatten nicht unseren gesamten Hausstand auf die Reise geschickt, nur einen sogenannten Lifvan voll. Ich glaube, das ist um die 5 Quadratmeter. Die Sachen, die uns folgen sollten, wurden erst mal bei Freunden in der Garage eingelagert, bevor sie dann letzten Dezember von einer Spedition abgeholt und wiederum dort eingelagert wurden. Ende Januar, als das hier mit Maurice’ Job klar war, haben wir uns dann mit der Spedition in Verbindung gesetzt und unsere Sachen angefordert. Eigentlich sollte das Zeugs dann innerhalb von 6 Wochen da sei. Naja, mein lieber Mann war etwas ‘gschlampert’ mit dem Papierkram, (das kennen wir ja) und so wurde dann eher mit Ende April gerechnet.
Mitte Mai kam der Container dann letztendlich in den USA an, wurde angeblich von San Francisco über Los Angeles nach Oakland geschippert (?) und lag dann ewig am Zoll.

Und dann… endlich… war es so weit. Letzten Donnerstag konnten wir unseren Kram abholen. Wir haben uns einen Van gemietet und uns frohen Mutes auf den Weg in die Docks von Oakland gemacht.
Und dann wurde es mir doch etwas bange, als ich das Monstrum sah… ob das Eckige wohl in das Runde passt?

lifvan

Die Dockarbeiter waren sehr hilfsbereit und sind sehr viel länger in unserer Nähe geblieben, als notwenig gewesen wäre. Maurice hatte den Verdacht, dass Wetten abgeschlossen wurden, ob wir das wohl hin kriegen.

liftvan

Und ja, zeitweise sah es so aus, als müssten wir ein halbes Bett zurück lassen.

lifvan

Wir haben aber doch alles nach hause gebracht!

Soll ich ganz ehrlich sein? Es ist teilweise schon ganz toll und herzerwärmend, was da beim Auspacken der Kisten so alles zutage kommt. Aber manchmal frage ich mich doch ‘what the f*’? Was haste Dir denn dabei bloß gedacht? Irgendwie verliert man den Bezug zu den Dingen, wenn man sie ein Jahr lang nicht gesehen und angefasst hat.

Das Schöne ist: ich habe jetzt wieder was anderes anzuziehen als nur Jeans und T-Shirts. Und wir haben unser wunderbares Bett wieder und die Matratzen haben die Reise gut überstanden. Leider hat Maurice unser Bett beim Zusammenbau gleich gekillt. Aber das werden wir auch noch hin kriegen, der Handwerker ist schon aktiviert. Momentan schlafen wir auf den Matratzen ohne Bettgestell. Alles ist besser als Luftmatratze.


8 Mal oder: “haste mal nen Dollar?”

Mai 26, 2011

Muss nicht immer ein Dollar sein. Manchmal handelt es sich auch um einen Quarter oder Penny. Und ich werde mich nie dran gewöhnen… an die Bettler, die in San Francisco und Oakland leider an jeder Ecke stehen, einen an jeder Bushaltestelle anquatschen. Ich muss ja zugeben, dass ich vielleicht doch schon etwas abgestumpft bin, Vor einem Jahr habe ich noch hin- und wieder jemandem was gegeben. Mittlerweile ist das so inflationär… wo soll man anfangen? Heute war ich beim Zahnarzt in San Francisco drüben und habe mal genau aufgepasst. 8 Mal bin ich angesprochen worden. In der U-Bahn-Station, an der Bushaltestelle, beim Verlassen der U-Bahn-Station, auf der Straße. Besonders gerne stehen die Bettler oben an der Rolltreppe, so dass man an Ihnen vorbei MUSS. Man fühlt sich bedrängt, manchmal werde ich aggressiv, manchmal schäme ich mich auch: hey, eben habe ich mir beim Body Shop noch ein Duschgel für 10 bucks gekauft und nu gebe ich der armen Sau an der Rolltreppe nix? Aber wo anfangen, wo aufhören? Gerade an belebten Plätzen und in Gegenden, wo viele Touristen unterwegs sind ist es besonders schlimm… das reinste Spießrutenlaufen.

Ich versuche, wenigstens an anderer Stelle was zu tun. Bei der Food Bank habe ich jetzt eine feste Schicht ein Mal pro Woche. Gammliges Gemüse aussortieren kostet mich sicherlich mehr Überwindung als ein paar Dollar herzuschenken, aber ich halte es auch für sehr viel sinnvoller. Hier wird Familien geholfen, alleinerziehenden Müttern, alten Menschen. Irgendwie besser, als mit dem Dollar an der Rolltreppe Alk und Zigaretten zu finanzieren, auch wenn es hart klingt…

Komisch, in Deutschland habe ich nie groß darüber nachgedacht, mich sozial zu engagieren. Vielleicht, weil dort die Armut und das Elend nicht so offensichtlich sind wie hier.
Kürzlich bin ich unter einer der vielen Autobahnbrücken durchgefahren und habe dort im Gegenlicht einen Menschen auf einem Stuhl sitzen sehen. Ganz alleine, inmitten von Müll. Er hat rhythmisch auf seinem Stuhl vor und zurück gewackelt und sein Mund hat sich bewegt als würde er singen. Ich bin an der Ampel gestanden und hätte am liebsten losgeheult. Wie viel Einsamkeit, wie viel Hoffnungslosigkeit kann ein Mensch ertragen?


Man spricht Deutsch

Mai 17, 2011

Ich finde es ja immer wieder interessant, wie viele Leute hier Deutsch sprechen – oder zumindest so viel Deutsch verstehen, dass sie uns richtig einordnen können. Die meisten Leute, die uns ansprechen, waren irgendwann einmal in Deutschland stationiert oder hatten eine deutsche Großmutter (oder einen deutschen Schäferhund :-) ). Den Vogel hat aber kürzlich ein japanischer Sushi-Meister abgeschossen, bei dem wir es uns an der Bar gemütlich gemacht hatten. Wärend er unser Essen zubereitete belauschte er uns schamlos und erzählte dann von seiner Kindheit in Bremerhafen ‘während des kalten Kriegs’. Sachen gibt’s…


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