Es hat sich ausgeweihnachtet und -geneujahrt

Januar 26, 2012

Eigentlich, ja eigentlich… schreibt man am 25. Januar nicht mehr über Christbäume, Weihnachtsferien und Silvesterfeiern. Eigentlich.
Aber uneigentlich komme ich fast nicht drum rum.

Christmas Tree

Kurzversion: Weihnachten war beschaulich und streckenweise fad, aber da es sich um unser erstes Weihnachten ganz alleine in einem fernen Land handelte, war es doch auch etwas besonderes. Wir haben nach guter deutscher Tradition am Heiligabend gefeiert mit Entenbraten, Knödeln und einem weißblauen Weihnachtsbaum und die Weihnachtsfeiertage Computer reparierend und mit Besuch aus Los Angeles verbracht.
Mit dem sind wir dann unter anderem auf der berühmten Christmas-Tree-Lane in Alameda spazieren gegangen. Alle Bewohner dieser Straße (bis auf ein oder zwei Häuser macht jeder mit) machen zu Weihnachten ein Faß auf und schmücken die komplette Straße – Häuser, Vorgärten…

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Christmas Tree Lane Alameda

Silvester war dann wieder ne andere Sache. Also irgendwie ist das hier alles gaaaaaaanz anders. So ohne Feuerwerk und Fondue-Gelage. Wer feiern will, geht auf eine teure Party, wem’s egal ist, der bleibt zuhause und sieht fern. So zumindest mein Eindruck.

Wir wollten ursprünglich eigentlich nach Las Vegas fliegen und Silvester ordentlich Geld erzocken. Aber beim Blick auf unser Konto und der Aussicht auf einen Hawaii-Urlaub im Frühjahr haben wir es uns dann doch anders überlegt (weil das mit dem Geld ERzocken seltener klappt als das VER zocken) und uns für einen kurzen Roadtrip entschieden. Mein Freund Mark gab uns den Tipp, doch mal zur Central Coast zu fahren. Das sei die Gegend, die noch am ehesten als ‘klassisch kalifornisch’ bezeichnet werden kann. Gutes Wetter, freundliche Leute, spanische Architektur, easy living.

Ein Hotelzimmer war schnell gebucht und auf dem Weg nach San Luis Obispo machten wir Halt beim Hearst Castle. Das ist eigentlich (und schon wieder sind wir beim eigentlich…) ein ziemlicher Touristennepp. ABER: wunderschön! Der unglaublich reiche Zeitungsverleger und Kunstsammler William Hearst hat sich hier in den 20er-40er Jahren einen Traum verwirklicht und mit der Architektin Julia Morgan zusammen diese Anlagen mit atemberaubendem Blick auf den Pazifik gebaut. Und zwar genau auf halbem Weg zwischen Los Angeles und San Francisco. In den 30er Jahren war das ‘Schloss’ ein beliebter Treffpunkt für die High Society aus Hollywood.
Hier trafen sich Leute wie Clark Gable und Charlie Chaplin zu rauschenden Partys und entspannten Tagen am Pool. Ich habe fleißig Bilder gemacht und möchte Euch die natürlich nicht vorenthalten…

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Hearst Castle

Den Silvestertag selber haben wir dann damit verbracht, erst auf einen Hügel zu steigen…

Morro Bay

Morro Bay

… und dann haben wir uns von einem ortsansässigen Touristen-Guide das Städtchen zeigen lassen. Der war prima, wußte unglaublich viel und hat uns jede Menge spannender Geschichten über die Entstehung der Missions, den Eisenbahnbau und einen der berühmtesten Chinesen Kaliforniens erzählt. Batman war auch in der Stadt…

Bat Mobile

Er ist aber ne ziemliche Schlampe…

Bat Mobile

Abends dann das Higlight, eine Silvestervorstellung im Great American Melodrama & Vaudeville in Oceano. Was ein Spaß! Die Show war super, das Buffet sehr amerikanisch (Steak und Bohnen) und jeder schien jeden zu kennen. Wir konnten von den Einheimischen erfahren, dass der Besuch des Theaters hier seit über 30 Jahren eine beliebte Silvester-Tradition ist.

The Great American Melodrama and Vaudeville, Oceano

Um Mitternacht gab es Sekt und Konfetti und der Herr W. machte mal wieder dicke Backen…

Maurice

…und dann war die Sache auch schon vorbei.

Der alljährliche weihnachtliche Familienwahnsinn und die silvesterliche Straßenschlacht auf der Isarbrücke haben uns natürlich schon etwas gefehlt, aber wir hatten auch so eine schöne Zeit und uns auch kaum in die Haare gekriegt :-)

Und zum Schluss noch: vielen vielen Dank für die vielen netten Mails und die Weihanachtskarten! Ich beantworte das alles noch nach und nach. Versprochen! Jetzt mache ich allerdings erstmal eine Weile Mailpause, morgen kommen nämlich meine Schwiegereltern an und die werden mich die nächsten zweieinhalb Wochen sicher ganz schön auf Trab halten!


George

Januar 21, 2012

George ist 92 und ziemlich stur. George ist mein Nachbar. George lebt alleine. Letztes Jahr haben seine beiden Söhne zusammenglegt und ihm einen Treppenlift gekauft, damit er ein kleines bisschen mobiler ist, denn er wohnt im ersten Stock. Er benutzt den Lift zwar nur, um seine Post zu holen, aber “das habe ich den beiden ja nicht auf die Nase binden müssen”, erzählte er mir noch vor Kurzem mit einem Zwinkern.

Georges Frau ist vor 5 Jahren gestorben. Mein anderer Nachbar, Gary, meinte, “die hat ihn ganz gut im Griff gehabt, aber jetzt verwahrlost er schon langsam ein bisschen”. George telefoniert jeden Tag mit Elaine, die in San Francisco lebt und auch so etwa in seinem Alter ist. Die beiden habe eine Telefonbeziehung und passen auf einander auf, rufen sich jeden Tag an und wünschen einander eine gute Nacht. Manchmal vergisst George, Elaine anzurufen und dann bekomme ich einen aufgeregten Anruf von ihr. Ich gehe dann rüber zu ihm, klopfe und klingele so lange, bis er die Türe öffnet. Meistens schaut er mich verschlafen an und kann die ganze Aufregung gar nicht verstehen. George schläft viel.

Heute war es anders. Schon bei Elaines Anruf bekam ich ein komisches Gefühl. Als ich dann vor seiner Tür stand, lag dort sein “Essen auf Rädern” im Regen. Er bekommt die Lieferung nur Montag-Donnerstag. Das Essen war also von gestern. Auf mein Klingeln hin machte niemand auf. Die Wohnung war dunkel, nichts regte sich. Nachdem ich bei ein paar Nachbarn geklingelt hatte und sich herausstellte, dass ausgerechnet die Nachbarin, die seinen Schlüssel hat, gerade im Urlaub ist, rief ich die Polizei an.

Kurz darauf standen zwei Polizeiautos vor meiner Türe. Die Officer waren wenig begeistert. Sie kannten George schon. Nach einigem hin- und her waren sie dann aber doch bereit, die Türe einzutreten. Ich habe noch nie gesehen, wie eine Türe eingetreten wird. Gary und ich standen unten auf der Straße, hörten es krachen und bekamen beide ein sehr laues Gefühl im Magen. Wir versuchten es mit ein paar Witzen, um die Stimmung aufzulockern, aber ließen das auch bald wieder bleiben. Mir war irgendwie zum Heulen zumute. Dann kam einer der Officer zu uns und teilte uns mit, dass es George so weit gut gehe. Er sei nur so schwach, dass er nicht mehr aufstehen könne. Die Feuerwehr und der Krankenwagen trafen kurz darauf mit großem Getöse und Getute in unserer kleinen Straße ein.

Wegen des Treppenlifts konnten die Sanitäter George nicht mit der Trage aus der Wohnung bekommen, die Feuerwehr musste mit zupacken. Ich wollte dabei aber nicht mehr zusehen und bin wieder nach hause gegangen.
Gerade wird George vor meinem Fenster in einen Krankenwagen geladen. Ich hoffe, ich sehe ihn wieder…


Die dümmsten Bauern…

September 11, 2011

Also gleich vorab: unsere Kartoffeln waren ziemlich mickrig, dafür waren es viele.

Wir haben zwar nicht so einen schönen “Strebergarten” wie unsere Schatzis Petra und Günter in München ;-) , aber auch bei uns auf den Terrassen ist zur Zeit große Ernte angesagt. Die erste Kartoffelernte ging schon vor ein paar Wochen über die Bühne, heute hat sich Maurice dann der Kräuter und Frühlingszwiebel erbarmt, verwelkte Stengel ausgegraben und neues angesät.

Die Bohnen sind leider nichts geworden und unsere einzige, wunderschöne Bananenpepperoni hat uns eins der hier kreuchenden und fleuchenden Mistviecher gemopst. Um welche Spezies es sich beim Gemüsedieb genau handelt konnte leider noch nicht ermittelt werden. Ich tippe auf Eichhörnchen, diverse große Vögel kämen auch in Frage. Die Schildkröten und Enten haben wir gleich ausgeschlossen, die kommen wahrscheinlich die Wendeltreppe auf die obere Terrasse nicht hoch.
Ich hoffe ja immer noch, den Dieb in Flagranti zu erwischen. Der klaut nämlich auch mit schöner Regelmäßigkeit unsere heiligen Kirschtomaten der Sorte SUPER SWEET 100. Bisher haben wir noch keine einzige selber gegessen, denn sobald eine rot und reif am Strauch hängt und wir sagen: “morgen wird geerntet”, kommen nachts die Verbrecher und berauben uns. Sauerei!

Kraeutergarten

Der heilige Kräutergarten im umfunktionierten Schuhregal – ‘vertical garden’ nennt man sowas unter Experten.

Kartoffeln

Echte deutsche Kartoffeln! Die Setzlinge hat Muttern ins Land geschmuggelt ;-)

Tomaten

Nicht genug für einen Insalata Caprese :-(

Kraeuter

Die heutige Kräuterausbeute! Man beachte die Frühlingszwiebeln auf der rechten Seite. Mein schlauer Mann meinte, er hätte die wohl “zu weit oben abgeschnitten”. jaja… und dann wundern, dass ich mich lachkrampfend am Boden wälze. Er hat anschließend übrigens die Reste noch ausgegraben…


Jetzt aber wirklich: we are sowas von worthy!

September 11, 2011

Kaum ist ein halbes Jahr im neuen Haus vergangen, schon trudeln bei uns jede Woche mehrere Briefe ein, in denen uns Kreditkarten angeboten werden. Es hat also scheinbar tatsächlich geholfen, Schulden gemacht zu haben. Ach ja, das interessante amerikanische Finanzsystem… kaum hat man mal einen Credit Score von über 700…

Schlau wie wir nun mal sind, haben wir also bei unserer Hausbank angefragt, ob wir JETZT vielleicht bitte eine Kreditkarte bekommen könnten. Brauchen wir ja unbedingt, denn je mehr Kreditkarten man hat, desto schneller wächst der Credit Score und desto meeeeeeeeeeeehr Kredite kann man aufnehmen bzw. desto besser sind die Konditionen, wenn man einen Kredit aufnimmt. Unser Auto zahlen wir z.B. gerade mit einem Zinssatz von 9,5 % ab, was schon ganz schön viel ist.
Jedenfalls haben wir beide nun problemlos Karten von der Hausbank bekommen. Der Bankfuzzi hat sich selbst gewundert, wie schnell wir freigeschaltet wurden. Wir sind eben DOCH kreditwürdig! Ha!


S(n)hake, Rattle & Roll

August 25, 2011

Welches Thema wäre wohl besser geeignet, um meine Blog-Abstinenz zu beenden? Worum es geht? Genau! Um Erdbeben!

Gestern gab es ja ein größeres an der Ostküste, das einigen Schaden an Gebäuden angerichtet hat, aber bei dem Gott sei Dank kaum jemand verletzt wurde. Ich war ja schon leicht neidisch, weil ich seit einem guten Jahr darauf warte, mal etwas zu spüren. Und prompt gab es dann auch hier am Abend ein Beben. Es hatte zwar lediglich eine Stärke von 3,9, aber da das Epizentrum nur 10 Meilen von unserem Haus entfernt lag, hat es doch ganz schön gerummst. Der Kronleuchter hat auch angefangen zu schaukeln. Gruselig! Wir sind also nun erdbebentechnisch entjungfert. Wegen mir hätte das auch durchaus gereicht. Und was passiert? Heute Vormittag kam gleich der nächste Knaller. Diesmal saß ich auf meinem Bürostuhl und der bewegte sich plötzlich ganz von alleine. Stärke: 3,5. Ich hoffe mal, dass das keine Vorboten von was Größerem waren. Ich habe mich vorsichtshalber gleich mal für die nächste Erdbeben-Schulung beim örtlichen Fire Department angemeldet. Better safe than sorry!

Was gibt es sonst noch neues? Hm… wir leben so vor uns hin. Nichts weltbewegendes (außer, dass sich eben manchmal der Boden bewegt…). Momentan versuchen wir, Amerikaner für europäische Brettspiele zu begeistern (hier ‘Eurogames’ genannt). Ich werde bei Gelegenheit mal davon berichten, ob das von Erfolg gekrönt ist. Maurice sucht außerdem noch nach Schafkopfspielern, aber ich fürchte, das kann er sich abschminken.
Unsere sozialen Kontakte sind natürlich bei weitem noch nicht so umfangreich wie in München. Manchmal nervt das ein bisschen, meistens kommen wir klar.
Noch gleichen wir das sehr schön damit aus, dass wir mehr alleine unternehmen, wandern gehen, ins Kino, auf Flohmärkte, neue Restaurants ausprobieren etc. (wobei sich für letzteres auch immer öfter ein paar Eingeborene finden, die mitkommen… Amis und essen halt).

Besonders das Wandern hat es uns sehr angetan. Hier in der Bay Area gibt es aber auch SO viele Möglichkeiten. 5 Minuten Autofahrt und wir können am Strand meilenweit laufen. 15 Minuten in die andere Richtung und wir können uns durch die Wanderpfade der Oakland Hills schlagen. Noch warte ich auf meine erste Begegnung mit einer Klapperschlange. Muss aber nicht sein. Wobei ich kürzlich gelesen habe, dass größtenteils 18-25jährige alkoholisierte Männer von Klapperschlangen gebissen werden. Das hat mich dann wieder beruhigt ;-)

Ach ja… ich bin mal wieder etwas malad, liege hier so rum und kuriere eine Grippe aus, die mich am Wochenende aus dem Hinterhalt angefallen hat. So eine richtig fiese Kopf-Hals-Gliederschmerzen-Grippe mit Fieber und mieser Laune. Heute war zumindest das Fieber schon mal weg, die Stimme leider gleich mit. Mal schaun, wann die wiederkommt. Ich könnte ja nicht mal schreien, wenn’s wieder bebt (oder mich eine Klapperschlange beisst).


Freiheit!

Juni 9, 2011

my new friend!


Feiern wie ein Kalifornier

Juni 1, 2011

Der Mann gehört jetzt offiziell zur Fraktion der Midlife Crisis-Gefärdeten. Am Sonntag hat er endgültig die Schallmauer durchbrochen und wir haben angemessen feiern müssen.

Schön war es! Aber natürlich kein Vergleich zu den rauschenden Festen in Giesing! Aber wir arbeiten dran. Der große Tisch hat jedenfalls viel Potential und wird hoffentlich noch einige Partys und Dinnergelage sehen.

Maurice' birthday party

Im Übrigen war Sonntag der erste Tag seit längerer Zeit, an dem wir von morgens bis abends strahlenden Sonnenschein hatten und sommerliche Temperaturen herrschten. Der erste und letzte Tag, denn gestern war es schon wieder bedeckt und heute hat es geregnet. Irgendwie alles verkehrt… Hitzewelle in Deutschland und Schnee in Kalifornien. Was soll das denn?

Wir hatten bei der Partyplanung total übersehen, dass das Wochenende ein langes war (am Montag war Memorial Day) und daher waren leider viele Leute unterwegs und konnten nicht dabei sein. Aber dafür war unsere kleine Gruppe um so lustiger.
Wir haben den neuen Gasgrill angeworfen und uns alle kugelrund gefuttert. Als hätten sie sich abgesprochen, hatten die meisten Gäste deutsches Bier dabei, so dass wir jetzt auf geschätzten 50 Flaschen sitzen. Das schreit nach einer neuen Grillparty… wer ist dabei?


Wie Weihnachten!

Juni 1, 2011

Es ist kaum zu glauben, aber wahr… ziemlich genau ein Jahr, nachdem wir in München unsere Sachen eingepackt haben, ist nun der Container in Oakland angekommen. Wer hätte das gedacht?

Wir hatten nicht unseren gesamten Hausstand auf die Reise geschickt, nur einen sogenannten Lifvan voll. Ich glaube, das ist um die 5 Quadratmeter. Die Sachen, die uns folgen sollten, wurden erst mal bei Freunden in der Garage eingelagert, bevor sie dann letzten Dezember von einer Spedition abgeholt und wiederum dort eingelagert wurden. Ende Januar, als das hier mit Maurice’ Job klar war, haben wir uns dann mit der Spedition in Verbindung gesetzt und unsere Sachen angefordert. Eigentlich sollte das Zeugs dann innerhalb von 6 Wochen da sei. Naja, mein lieber Mann war etwas ‘gschlampert’ mit dem Papierkram, (das kennen wir ja) und so wurde dann eher mit Ende April gerechnet.
Mitte Mai kam der Container dann letztendlich in den USA an, wurde angeblich von San Francisco über Los Angeles nach Oakland geschippert (?) und lag dann ewig am Zoll.

Und dann… endlich… war es so weit. Letzten Donnerstag konnten wir unseren Kram abholen. Wir haben uns einen Van gemietet und uns frohen Mutes auf den Weg in die Docks von Oakland gemacht.
Und dann wurde es mir doch etwas bange, als ich das Monstrum sah… ob das Eckige wohl in das Runde passt?

lifvan

Die Dockarbeiter waren sehr hilfsbereit und sind sehr viel länger in unserer Nähe geblieben, als notwenig gewesen wäre. Maurice hatte den Verdacht, dass Wetten abgeschlossen wurden, ob wir das wohl hin kriegen.

liftvan

Und ja, zeitweise sah es so aus, als müssten wir ein halbes Bett zurück lassen.

lifvan

Wir haben aber doch alles nach hause gebracht!

Soll ich ganz ehrlich sein? Es ist teilweise schon ganz toll und herzerwärmend, was da beim Auspacken der Kisten so alles zutage kommt. Aber manchmal frage ich mich doch ‘what the f*’? Was haste Dir denn dabei bloß gedacht? Irgendwie verliert man den Bezug zu den Dingen, wenn man sie ein Jahr lang nicht gesehen und angefasst hat.

Das Schöne ist: ich habe jetzt wieder was anderes anzuziehen als nur Jeans und T-Shirts. Und wir haben unser wunderbares Bett wieder und die Matratzen haben die Reise gut überstanden. Leider hat Maurice unser Bett beim Zusammenbau gleich gekillt. Aber das werden wir auch noch hin kriegen, der Handwerker ist schon aktiviert. Momentan schlafen wir auf den Matratzen ohne Bettgestell. Alles ist besser als Luftmatratze.


8 Mal oder: “haste mal nen Dollar?”

Mai 26, 2011

Muss nicht immer ein Dollar sein. Manchmal handelt es sich auch um einen Quarter oder Penny. Und ich werde mich nie dran gewöhnen… an die Bettler, die in San Francisco und Oakland leider an jeder Ecke stehen, einen an jeder Bushaltestelle anquatschen. Ich muss ja zugeben, dass ich vielleicht doch schon etwas abgestumpft bin, Vor einem Jahr habe ich noch hin- und wieder jemandem was gegeben. Mittlerweile ist das so inflationär… wo soll man anfangen? Heute war ich beim Zahnarzt in San Francisco drüben und habe mal genau aufgepasst. 8 Mal bin ich angesprochen worden. In der U-Bahn-Station, an der Bushaltestelle, beim Verlassen der U-Bahn-Station, auf der Straße. Besonders gerne stehen die Bettler oben an der Rolltreppe, so dass man an Ihnen vorbei MUSS. Man fühlt sich bedrängt, manchmal werde ich aggressiv, manchmal schäme ich mich auch: hey, eben habe ich mir beim Body Shop noch ein Duschgel für 10 bucks gekauft und nu gebe ich der armen Sau an der Rolltreppe nix? Aber wo anfangen, wo aufhören? Gerade an belebten Plätzen und in Gegenden, wo viele Touristen unterwegs sind ist es besonders schlimm… das reinste Spießrutenlaufen.

Ich versuche, wenigstens an anderer Stelle was zu tun. Bei der Food Bank habe ich jetzt eine feste Schicht ein Mal pro Woche. Gammliges Gemüse aussortieren kostet mich sicherlich mehr Überwindung als ein paar Dollar herzuschenken, aber ich halte es auch für sehr viel sinnvoller. Hier wird Familien geholfen, alleinerziehenden Müttern, alten Menschen. Irgendwie besser, als mit dem Dollar an der Rolltreppe Alk und Zigaretten zu finanzieren, auch wenn es hart klingt…

Komisch, in Deutschland habe ich nie groß darüber nachgedacht, mich sozial zu engagieren. Vielleicht, weil dort die Armut und das Elend nicht so offensichtlich sind wie hier.
Kürzlich bin ich unter einer der vielen Autobahnbrücken durchgefahren und habe dort im Gegenlicht einen Menschen auf einem Stuhl sitzen sehen. Ganz alleine, inmitten von Müll. Er hat rhythmisch auf seinem Stuhl vor und zurück gewackelt und sein Mund hat sich bewegt als würde er singen. Ich bin an der Ampel gestanden und hätte am liebsten losgeheult. Wie viel Einsamkeit, wie viel Hoffnungslosigkeit kann ein Mensch ertragen?


Man spricht Deutsch

Mai 17, 2011

Ich finde es ja immer wieder interessant, wie viele Leute hier Deutsch sprechen – oder zumindest so viel Deutsch verstehen, dass sie uns richtig einordnen können. Die meisten Leute, die uns ansprechen, waren irgendwann einmal in Deutschland stationiert oder hatten eine deutsche Großmutter (oder einen deutschen Schäferhund :-) ). Den Vogel hat aber kürzlich ein japanischer Sushi-Meister abgeschossen, bei dem wir es uns an der Bar gemütlich gemacht hatten. Wärend er unser Essen zubereitete belauschte er uns schamlos und erzählte dann von seiner Kindheit in Bremerhafen ‘während des kalten Kriegs’. Sachen gibt’s…


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