8 Mal oder: “haste mal nen Dollar?”

Mai 26, 2011

Muss nicht immer ein Dollar sein. Manchmal handelt es sich auch um einen Quarter oder Penny. Und ich werde mich nie dran gewöhnen… an die Bettler, die in San Francisco und Oakland leider an jeder Ecke stehen, einen an jeder Bushaltestelle anquatschen. Ich muss ja zugeben, dass ich vielleicht doch schon etwas abgestumpft bin, Vor einem Jahr habe ich noch hin- und wieder jemandem was gegeben. Mittlerweile ist das so inflationär… wo soll man anfangen? Heute war ich beim Zahnarzt in San Francisco drüben und habe mal genau aufgepasst. 8 Mal bin ich angesprochen worden. In der U-Bahn-Station, an der Bushaltestelle, beim Verlassen der U-Bahn-Station, auf der Straße. Besonders gerne stehen die Bettler oben an der Rolltreppe, so dass man an Ihnen vorbei MUSS. Man fühlt sich bedrängt, manchmal werde ich aggressiv, manchmal schäme ich mich auch: hey, eben habe ich mir beim Body Shop noch ein Duschgel für 10 bucks gekauft und nu gebe ich der armen Sau an der Rolltreppe nix? Aber wo anfangen, wo aufhören? Gerade an belebten Plätzen und in Gegenden, wo viele Touristen unterwegs sind ist es besonders schlimm… das reinste Spießrutenlaufen.

Ich versuche, wenigstens an anderer Stelle was zu tun. Bei der Food Bank habe ich jetzt eine feste Schicht ein Mal pro Woche. Gammliges Gemüse aussortieren kostet mich sicherlich mehr Überwindung als ein paar Dollar herzuschenken, aber ich halte es auch für sehr viel sinnvoller. Hier wird Familien geholfen, alleinerziehenden Müttern, alten Menschen. Irgendwie besser, als mit dem Dollar an der Rolltreppe Alk und Zigaretten zu finanzieren, auch wenn es hart klingt…

Komisch, in Deutschland habe ich nie groß darüber nachgedacht, mich sozial zu engagieren. Vielleicht, weil dort die Armut und das Elend nicht so offensichtlich sind wie hier.
Kürzlich bin ich unter einer der vielen Autobahnbrücken durchgefahren und habe dort im Gegenlicht einen Menschen auf einem Stuhl sitzen sehen. Ganz alleine, inmitten von Müll. Er hat rhythmisch auf seinem Stuhl vor und zurück gewackelt und sein Mund hat sich bewegt als würde er singen. Ich bin an der Ampel gestanden und hätte am liebsten losgeheult. Wie viel Einsamkeit, wie viel Hoffnungslosigkeit kann ein Mensch ertragen?


Man spricht Deutsch

Mai 17, 2011

Ich finde es ja immer wieder interessant, wie viele Leute hier Deutsch sprechen – oder zumindest so viel Deutsch verstehen, dass sie uns richtig einordnen können. Die meisten Leute, die uns ansprechen, waren irgendwann einmal in Deutschland stationiert oder hatten eine deutsche Großmutter (oder einen deutschen Schäferhund :-) ). Den Vogel hat aber kürzlich ein japanischer Sushi-Meister abgeschossen, bei dem wir es uns an der Bar gemütlich gemacht hatten. Wärend er unser Essen zubereitete belauschte er uns schamlos und erzählte dann von seiner Kindheit in Bremerhafen ‘während des kalten Kriegs’. Sachen gibt’s…


Freiwillige vor!

Mai 5, 2011

Was kann man von einer Poolparty erwarten, bei der man mit den Worten ‘Endlich mal jemand unter 50′ empfangen wird? Hm, ich war mir auch nicht so ganz schlüssig.
Aber letztendlich war es dann doch ein netter Abend an unserem Community-Pool (also dem Pool, den das ganze Viertel hier benutzen kann – sehr schöne Anlage). Und es war auch gar nicht so schlimm, dass das Durchschnittsalter der Anwesenden gefühlte 100 war (ok, leicht übertrieben). In unserer Nachbarschaft geht es eben sehr ruhig und beschaulich zu. Im Übrigen sind die Alten auch gar nicht mal so langweilig – vielleicht weil sie alle alte Hippies sind und ordentlich tief ins Weinglas schauten, interessante Geschichten zu erzählen hatten und uns mit Informationen über Alameda und die East Bay zugeschüttet haben. Es hätte mich auch gar nicht weiter überrascht, wenn die himmlischen Chocolate-Chip-Cookies auf dem Buffet mit ‘Kräutern’ gestreckt gewesen wären…

Nun sind sie uns auf den Fersen, dass wir bei einem der Nachbarschafts-Komitees einsteigen. Da geht es hauptsächlich um Dinge, die die Anlage angehen. Die Lagune, die Gärten, den Pool. Aber auch so interessante Sachen wie ein Emergency Preparedness Committee sind dabei. Ich wollte mich ja schon immer mal darüber informieren, was man im Falle eines Erdbebens machen sollte.
Na, jedenfalls dürstet die Nachbarschaft nach frischem Blut und ich habe schon mehrere Erinnerungs-E-Mails bekommen, wir sollen es uns doch mal überlegen. Werden wir dann wohl tun…

Die Begeisterung hält sich allerdings bei mir noch in Grenzen, ich habe nämlich eigentlich eine andere, sehr viel interessantere Möglichkeit gefunden, mich nützlich zu machen.
Vorgestern war ich mit einer Freundin, die bei sehr vielen Organisationen als Freiwillige mithilft, bei der Alameda Food Bank und habe dort ein paar Stunden lang Essen an Bedürftige ausgeteilt. Das hat SEHR viel Spaß gemacht. Momentan sind die leider gut mit Freiwilligen versorgt, aber sobald jemand abspringt, kann ich dort dauerhaft einsteigen und ein Mal pro Woche mithelfen.


Extreme Couponing – spar Dich reich!

April 8, 2011

Jep, ich muss aufpassen, dass ich hier nicht zum Desperate Housewive mutiere. Ich backe Kuchen und koche, stelle Joghurt und Quark selbst her (endlich deutscher Käsekuchen!), dehydriere Obst und backe Sauerteigbrot. Außerdem ‘coupone’ ich.

Couponing geht folgendermassen: man sieht sich alle Zeitungsbeilagen durch und schneidet die bunten Gutscheinchen von Sachen aus, die man gerne kauft. Dann schaut man noch online auf diversen Coupon-Seiten nach, was es da so gibt und druckt sich die Scheinchen aus. Dann ordnet man diese nach Datum und Gruppe (Getränke, Milchprodukte, Obst/Gemüse…) und eventuell noch danach, in welchem Laden man sie einlösen kann. Und beim nächsten Einkauf nimmt man sie mit, verbringt 1 Stunde zusätzlich im Supermarkt, weil man das Zeug erst zusammensuchen muss und spart dann 50 ct ;-)
Zumindestens hatte ich das bisher geglaubt. Heute war ich dann mal gezielt bei CVS (dem amerikanischen Schlecker) und habe Hardcore-Couponing betrieben. Und siehe da: statt 36,51 nur 25,66 gezahlt. Wer sagt’s denn?

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Drauf gekommen bin ich über eine Fernsehserie mit dem Titel Extreme Couponing. Da werden Menschen vorgestellt, die das Couponing mMn ein bisschen zu weit treiben (eher perfekt organisierte Messies – mit Garagen voller Deoroller und Cornflakes). Und wieder mal kam mir der Gedanke, dass Loriot eigentlich seiner Zeit schon SEHR weit voraus war: einer der Couponer kaufte nämlich 62 Gläser Senf, weil sie so günstig waren :-)

Loriot – H. Lohse kauft ein – MyVideo


I am worthy!

März 17, 2011

Ja, das ist so eine Sache mit der Kreditwürdigkeit. Hier noch viel mehr als in Deutschland. Bevor wir München verlassen haben, wollte ich mir noch schnell eine American-Express-Kreditkarte besorgen, weil man die hier in den USA einfach auf die neue Adresse ummelden kann und da nicht das Hin und Her mit dem Beantragen einer neuen Karte hat. Damals hat mich AE abgelehnt, weil ich angeblich ‘in einem schlechten Viertel’ wohnte. Das haben sie natürlich nicht offiziell gesagt, eine nette Kundenservice-Dame hat es mir aber am Telefon verraten. Ich habe sie dann gefragt, ob sie schon mal in München war und wirklich denkt, dass es innerhalb des Mittleren Rings ein ‘schlechtes Viertel’ gibt. Nach etwas Recherche im Internet konnte ich dann aber herausfinden, dass AE da generell etwas zickig ist und wenn einer meiner Nachbarn einen Schufa-Eintrag hat, dann gilt gleich der ganze Straßenzug als ‘schlechtes Viertel’. OK, deren Verlust…

Naja, egal… jedenfalls habe ich mir hier dann ja eine Prepaid-Kreditkarte besorgt und damit in den letzten Monaten ordentlich Umsatz gemacht. Den entliehenen Betrag immer schön brav rechtzeitig abbezahlt (das Perfide am amerikanischen System ist nämlich, dass die Kreditkarte nicht automatisch am Monatsende durch Geldeinzug vom Girokonto ausgeglichen wird, sondern man muss da selber dran denken und die Zahlung machen. Wer es vergisst, zahlt ordentlich Zinsen – also vergisst man es lieber nicht) und wurde dann letzten Monat mit einer großzügigen Erweiterung meines Kreditrahmens um sage und schreibe $300 belohnt sowie mit einem credit score von 679. Nicht schlecht nach 9 Monaten.
(Kurze Erklärung zum credit score: ohne den geht hier gar nichts. Wenn man keinen oder einen schlechten hat, muss man in vielen Bereichen höhere Kautionen hinterlegen, hat Nachteile beim Hauskauf oder der Wohnungssuche, beim Banking etc.)
Beim Autokredit hat uns der schon relativ gute credit score aber auch nicht weiter geholfen, der Zinssatz liegt für uns bei knapp 10 %. Autsch. Na, immerhin hat man in Kalifornien ein Sonderrückzahlungsrecht ohne Strafzahlungen. Will heißen: wenn man den Kredit schneller zurück zahlt, muss man auch entsprechend weniger Zinsen zahlen. Aber vorsicht! Wer seinen Kredit in unter 12 Monaten abzahlt, hat das Problem, dass dieser keine Auswirkungen auf den Ausbau des credit score hat. Ein Teufelskreis ;-)

Nun der Grund des Postings und meiner Freude: ich habe eine Best-Buy-Kreditkarte bewilligt bekommen! Ohne Prepaid! Juhuuuu! Warum ich mich so freue? Weil ich jetzt bei Best Buy eine Waschmaschine und einen Trockner auf Raten kaufen kann und eventuell sogar noch einen Fernseher dazu (zinsfrei abzahlbar innerhalb von 18 Monaten). Leider reicht der Kreditrahmen von $600 nicht für einn Trockner oder einen Fernseher ;-)
Wenn man mal mit diesem Leben auf Pump angefangen hat, dann fällt das bei jedem Mal leichter…
Naja, ich glaube, eine Wama und einen Trockner könnte ich mir auch so noch leisten, aber der credit score, der credit score…

Fazit: man wird hier gezwungen, Kredite aufzunehmen, damit man noch mehr Kredite aufnehmen kann. Hm. Da steckt doch ein Fehler im System, oder?


The Times They Are a-Changin’

März 1, 2011

Kinder, uns war ja klar, dass es nach den diversen Wehwehchen nur aufwärts gehen konnte. Aber nun entwickelt sich schon alles ziemlich rasant. Frau hat kaum noch Zeit zum Luftholen (oder schlafen).

Die allerbeste Nachricht zuerst: Maurice ist wieder gut aufgeräumt im Büro. Uff. Ich bin auftragsmäßig gut ausgelastet, dann kommen heute meine Eltern aus Deutschland an, gestern haben wir uns ein Auto gekauft und morgen unterzeichnen wir den Mietvertrag für ein Häuschen am Wasser. Nicht schlecht, oder?

Am Samstag ziehen wir um. Wir haben zwar noch keine Möbel (und nach der Anzahlung fürs Auto und der Kaution fürs Haus auch kein Geld mehr), aber besitzen immerhin eine Doppel-Luftmatratze, Bettzeug, einen altersschwachen Bürostuhl (hat mir unsere letzte Vermieterin geschenkt) und ein Schreibtischchen von IKEA. Die werden unser 160-qm-Häuschen sehr wohnlich aussehen lassen. Ha!
Dafür haben wir eine Terrasse direkt an einer Lagune und Enten vor dem Schlafzimmerfenster. Wer braucht schon Tisch und Sofa? Pah! Totally overrated!
Naja, vielleicht kratzen wir unsere letzten Kröten zusammen und kaufen uns am Wochenende zwei Klappstühle und ein Tischchen für die Zeit bis zum nächsten Gehaltsscheck. Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Noch ein Wörtchen zum Auto: Maurice und ich haben gestern Abend verwundert festgestellt, dass wir nun beide den allerallerersten Kredit unseres Lebens aufgenommen haben. Das fühlt sich schon seltsam an. Jeder Amerikaner dürfte uns schallend auslachen für unsere Bedenken (also meine).  Das ist hier ja das normalste der Welt.


Hollywood ist verdammt weit weg

Februar 27, 2011

Wäre alles reibungslos verlaufen, wäre ich heute im sonnigen Los Angeles (ok, 14° C ist auch nicht SO kalifornisch warm) mitten im Oscar-Gewühle und würde nach Filmstars Ausschau halten! Eigentlich hätte ich nämlich meinem Lieblings-Fotografen Kurt bei der Veranstaltung als ‘Messenger’ unter die Arme greifen dürfen. Aber leider bin ich viel zu vernünftig und habe letzte Woche schweren Herzens absagen müssen, um mich ganz auszukurieren und meinen Mann zu pflegen ;-)

Und so kommt es also, dass ich an einem Sonntag Morgen um 7 Uhr an meinem Rechner sitze und Steuerunterlagen sortiere, statt mit Brad Pitt zu flirten. Was sagt uns das? Ich werde echt alt…


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