Arbeitspause

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Da bin ich schon mal in der aufregendsten Stadt der Welt und dann sitze ich nur am Schreibtisch. Die letzten paar Tage waren die hektischsten seit meiner Ankunft. Ein Auftrag jagt den anderen und ich komme kaum aus dem Haus. Und das bei diesen tropischen Temperaturen. Naja, die Manhattan-Miete muss ja auch erst mal verdient sein.

Gestern Abend habe ich mich dann aber doch von meinem Computer losreißen können, bin ins Kino gegangen und habe mir Shrek III angesehen. Ich kann nur jedem raten, keinen Kinderfilm an einem Feiertag anzuschauen (ja, auch die Amis haben gestern gefeiert, nämlich den Memorial Day) – auch nicht in der Abendvorstellung. Kreischende Kleinkinder überall. Und die sind auch so unheimlich gut erzogen hier. Jedenfalls ist genau das eingetreten, was ich schon länger befürchtet hatte: die Klimaanlage hat mich eiskalt erwischt. Ich hatte zwar einen extra Pulli dabei, aber eben den Schal vergessen. Man stelle sich vor: eine Außentemperatur von 30 Grad und ich muss einen Schal ins Kino mitnehmen. Nun sitze ich hier leicht fiebrig und mit einer netten Halsentzündung und schwitze wie nix, weil ich mich nicht traue, in meinem Zimmer auch noch die Klimaanlage einzuschalten. Wer weiß, was ich mir da sonst noch einfange…
Egal, bei der Hitze bin ich eh bald wieder fit.

Ich hoffe, dass mein momentanes Projekt bis Donnerstag abgeschlossen ist, dann kann ich mir mal wieder ein paar Tage Spaß gönnen. Ich habe einiges vor und werde berichten…

Und: Happy Birthday, Maurice 😉

ID die zweite

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Also, ich glaube ich habe da jetzt ein Muster entdeckt…

Wenn ich in Totenkopf-Tshirt, Chucks und Jeans in eine Dive Bar im Village gehe, werde ich nach meinem Ausweis gefragt, auch wenn ich nur ein Corona will. Im angedeuteten Business-Outfit in einem Schuppen in der Upper West Side, in dem nur Kerls mit weißen Hemden an der Bar rumlungern, bekomme ich problemlos und ohne Ausweisgefummel einen Hardcore-Caipi, der mich nach zwei Schlucken fast vom Stuhl wirft.

Fazit? Business-Fummel machen alt und morgen kaufe ich mir neue Chucks.

Kunst, Leben und Tod

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Der Tag gestern hat sich wie eine Zeitreise angefühlt. Zurück ins New York der 50-70er Jahre. Meine ehemalige Vermieterin hatte mich ins MoMA eingeladen (sie ist Mitglied und kann Gäste für den halben Eintrittspreis mitnehmen). Über einem ‚late lunch‘ im museumseigenen Café erzählte sie mir von ihren Erlebnissen, von früher, als die Upper West Side noch glamourös war und die Ober in den schicken Clubs noch in Europa ausgebildet wurden. Von Skandalen und großen Namen, von ihrem ‚drinking budy‘ Mark Rothko, dessen Drucke ich schon vor 15 Jahren über meinem Bett hängen hatte. Die Originale im 3. Stock haben mich dann doch ganz schön ergriffen. Überhaupt.. das MoMA. Ich glaube, ich weiß, wo ich in Zukunft meine Freitagnachmittage verbringe (da kostet es nämlich keinen Eintritt)

Barnett Newman

Ganz toll zur Zeit die Picasso-Ausstellung und das Wandgemälde von Dan Perjovschi. Außerdem die Comic-Abstraction-Ausstellung. Geht nur noch bis zum 11. Juni, ich muss da unbedingt vorher noch einmal rein.

Nach Ende der Öffnungszeit konnte ich mit meinem Ticket noch einen der drei Filme in den Museumskinos ansehen. Ich entschied mich für Dying at Grace, eine Dokumentation über die Palliativstation eines Krankenhauses in Toronto. Zweieinhalb Stunden, die ganz ohne Erzähler und Musik auskamen. Allein die Begleitung von fünf schwerkranken Menschen. Ein Film ohne Happy End, aber nicht ohne Hoffnung. Erschütternd und ergreifend.
Danach lief ich wie im Trance über die Park Avenue und fühlte mich so unheimlich lebendig, schön, glücklich…

Die never ending Harlem-Story

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Die Metro ist mal wieder ein Graus. Besonders nachts – wenn man ja schnell nach Hause kommen will – wird hier besonders gern ‚construction work‘ betrieben. Dann halten Züge, die sonst local sind, also an jeder Station halten, plötzlich zwischen der 59. und 125. Straße gar nicht mehr. Und wieder steht klein Alexa morgens um 1 in Harlem… perfekt!

Abgesehen davon hat mich New York wieder ein bißchen versöhnt nach dem verregneten Wochenende und dem Blues.
Heute konnte mich nicht mal ärgern, dass das MoMA dienstags geschlossen hat. Egal, dann geh ich eben morgen. Bus verpasst? Na, so ein abendlicher Spaziergang ist ja auch nett. Mitbewohner hat in der Küche ein Schlachtfeld hinterlassen? Der räumt schon noch auf…

Und auch die Abendgestaltung war stressfrei. Verabredet, getroffen, Bierchen in netter Bar mit ‚The Clash‘- und ‚The Cure‘-Beschallung getrunken (und dabei den Unterschied zwischen einer ‚Dive‘ Bar und einer normalen Bar erklärt bekommen), danach noch zum 24/7-Ukrainer um die Ecke und Piroggen mit Sauerkraut gegessen. Dann auf nach Harlem… alles easy…

Big Town Blues

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OK, ich habe den Blues.
Grund sind die New Yorker. Ja, ich hab vor kurzem geschrieben, die New Yorker sind nett. Das unterschreibe ich nach wie vor. Mit Nachdruck. Selten nettere Leute getroffen. Aber sie sind auch so ANSTRENGEND!

Ich habe hier ja unheimlich viel Gelegenheit mich zu beobachten, mich als einzelne Person, mich in der Gruppe, mich unter Fremden, mich in Situationen, in denen ich so schon lange nicht mehr war. Dass ich kein besonders geselliges Wesen bin weiß ich ja schon länger. Und die Geduld in Person bin ich auch nicht, ok. Zuhause lebt es sich damit natürlich leichter, weil mein soziales Umfeld meine Macken kennt und entweder toleriert oder ignoriert. Hier muss ich mich anstrengen. Das tut mir natürlich ganz gut (bilde ich mir zumindest ein), geht mir aber auch manchmal gehörig auf den Keks.

Also… um zurück zu den New Yorkern zu kommen, die meine schwarze Sozialphobikerseele schon arg foltern… warum, liebe New Yorker ist mit Euch jede Verabredung so ein Drama? Warum muss da fünf mal telefoniert, umdisponiert, Leute ein- und wieder ausgeladen werden, nur um dann am Ende doch zu zweit im Kino zu landen? Warum muss man sich überhaupt dauernd anrufen und die Freizeitplanung so kompliziert machen? Warum ruft Ihr nie dann an, wenn Ihr sagt, Ihr würdet anrufen?
Habt Ihr wirklich so große Angst, etwas zu verpassen, wenn Ihr Euch nicht alle Optionen offen haltet? Und eins noch: wer das nächste mal zu mir sagt ‚oh, hold on, I have another call on the other line‘, der kriegt meinen teutonischen rechten Haken zu spüren!

Liebe Münchner, New York ist toll. Die New Yorker sind unheimlich nett. Aber ich mache drei Kreuze, dass Ihr so ‚low maintenance‘ seid! Und ja, ich vermisse Euch! 😉

It never rains but it pours

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Ha, stimmt gar nicht. Eigentlich tröpfelt es hier nur, aber das ohne Unterlass. Und es ist verdammt kalt. Kaum zu glauben, dass ich letzte Woche noch vereinzelt die Klimaanlage eingeschaltet hatte.

Auf jeden Fall ist es sehr schade, dass das Wetter heute so schlapp macht. Ausgerechnet an diesem Wochenende. Die Eingeborenen, mit denen ich heute drei Stunden übers Food Festival geschlendert bin, hielten das kühle Wetter allerdings für einen Segen. Man sagte mir, dass es normalerweise unmöglich sei etwas Essbares zu bekommen, ohne eine halbe Stunde am jeweiligen Stand anzustehen. Ja, das Schlangestehen haben die New Yorker irgendwie im Blut.

So konnte ich also meine Austern, die Alligator Sausage und den Banana Fudge Cake ohne große Wartezeiten genießen. Ein bisschen komisch ist mir ja schon in der Magengegend, aber auch da wurde ich beruhigt. Ich bin jetzt offiziell ein New Yorker Foodie! Yay!

oysters

Die Danceparade haben wir dann größtenteils verpasst. Im Washington Square Park war allerdings noch eine Bühne aufgebaut und es wurde weiter getanzt und Musik gemacht. Nach einer guten Stunde ‚People Watching‘ ging es dann wieder zurück… die Kälte und Feuchtigkeit ließ nicht so wirklich gemütliche Stimmung aufkommen.

Ach ja, auf dem Foodfest habe ich sogar was gewonnen: ein Handtuch mit dem Singha-Wappen. Lieber wäre mir allerdings eins dieser T-Shirts gewesen:

eat more rice bitch

1/3 – random ramblings

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Wahnsinn, schon 4 Wochen vorbei. Wann man merkt, dass man schon voll assimiliert ist? Wenn einem ein waschecher New Yorker folgenden Spruch um die Ohren haut: ‚Don’t you get all New Yorker on me, Missy‘. Hm, scheint an meiner ‚attitude‘ zu liegen. Ich weiß ja nicht…

Das Konzert war übrigens toll! Der Club war so klein, dass man den Musikern fast auf dem Schoß saß. Kein Wunder, dass die Tickets so schnell ausverkauft waren. Da ich nur noch Karten für den zweiten Gig des Abends bekommen hatte, waren die Jungs vielleicht schon nicht mehr ganz so frisch wie beim ersten Konzert, aber das haben sie mit großzügigen Zugaben mehr als wett gemacht. Sogar meine eher dem Heavy Metal zugeneigte Begleitung war zufrieden.
Auf jeden Fall habe ich mir gleich eine Karte für RoboSonic Eclectic besorgt, eine Veranstaltung, bei der es ‚live music by robots and humans‘ zu hören gibt und wo auch TMBG auftreten werden. Hört sich spannend an.

Heute bin ich übrigens zum ersten Mal so richtig mit der New Yorker Kunstszene in Berührung gekommen. Auch wenn der Künstler ein Wiener war. Die Videoinstallationen haben sich mir erst auf den zweiten Blick erschlossen, aber dann fand ich sie richtig gut. Ich brauche halt immer etwas länger…

Morgen geht’s auf das Ninth Avenue International Food Festival in Hell’s Kitchen und auf die Dance Parade. Am Sonntag dann eventuell zum AIDS Walk. Mal wieder voller Terminkalender. Ich werde berichten und vielleicht auch endlich mal wieder ein paar Fotos schießen.
Ich bin nämlich leider ein bisschen fotografiermüde geworden, habe also die letzten Tage kaum etwas geknipst. Irgendwie ist das Erlebte aufregender, wenn man es unmittelbar aufnimmt und nicht immer die Linse dazwischen hat. Leben pur sozusagen.
Ich werde mich bessern – vielleicht…

Und übrigens: ich habe heute das System ausgetrickst, jawoll! Kurz nach Mitternacht rein in ein düsteres Deli, den Typen hinterm Tresen geschickt in ein Gespräch verwickelt und ihm gaaaaanz unauffällig ein Sixpack untergejubelt. Dem war meine ID sowas von egal. Ha, so geht das!

Ich arbeite!

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Ich weiß… es hört sich so an, als würde ich mich nur vergnügen. Fakt ist aber, dass ich sehr wohl arbeite. Ich spare aber zur Zeit ein bisschen am Schlaf. Das muss besser werden.

Heute Abend ist das langersehnte They Might be Giants Konzert in Joe’s Pub. Ich habe ja leider erst Karten für den Gig um 23:30 Uhr bekommen, daher vorher noch Abendessen im Dojo’s West. Sieht so aus, als würde das heute Nacht mit dem Schlafen wieder nix. Dammit!

Touristenzeug

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Manchmal habe ich einfach unglaubliches Glück. Zum Beispiel, wenn ich in New York ganz unverhofft einen ’native American‘ Tourguide kennenlerne, der mich umsonst und mit unheimlich viel Spaß kreuz und quer durch die Stadt führt, mich mit Fakten und Steak füttert und mir Nachhilfeunterricht im J-Walking gibt. Mit ihm habe ich mich auch endlich zum Ground Zero gewagt, was schon ein sehr aufwühlendes Erlebnis war. Ah ja… und was machen zwei schwarz gekleidete Atheisten in der Trinity Church? Natürlich an einem intimen Abendgottesdienst (wir waren nur zu viert) teilnehmen. War sehr viel ernsthafter und friedlicher als es sich anhört…

Ich brauche offensichtlich noch kein Botox

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Eigentlich wollte ich ENDLICH die Brooklyn-Bridge überqueren, was ich mir schon seit zwei Wochen vorgenommen habe, aber irgendwie nie auf die Reihe bekomme. Auf dem Weg zur U-Bahn kam dann der Anruf einer Freundin mit der Frage, ob ich nicht mit zum Union Square kommen wolle, Grindhouse ansehen. OK, sounds like a plan. Also ab zum Union Square, rein in den Film (nichts ahnend, dass der gut 3 Stunden dauert und im ersten Teil nur so von Zombies wimmelt), raus aus dem Film, ein bisschen durchs Village bummeln, bei Trader Joe’s ein paar Sachen einkaufen (nettes Hipster-Publikum da), danach noch in den Weinladen nebenan (auch von Trader Joe’s), schönes kalifornisches Weinchen aussuchen, zur Kasse gehen, netten jungen Mann hinter der Kasse anlächeln… er lächelt freundlich zurück, murmelt etwas unverständliches, ich frage nach, er (deutlicher): I need your ID, please.

Also, ich gebe zu, ich war erstmal geschmeichelt. Da fragt mich dieser junge, 20jährige Hüpfer, ob ich nachweisen kann, dass ich schon über 21 bin. Ich (immer noch lächelnd) den Ausweis gezückt.

Er: sorry, I can’t accept that.
Ich: hä?
Er: we don’t accept foreign ID.
Ich: honey, how old do you think I am?
Er: doesn’t matter.

Ende der Geschichte: die haben sich geweigert, mir eine Flasche Wein zu verkaufen. Ehrlich. Kein Scheiß!
Ob ich mich jetzt geschmeichelt oder verarscht fühlen soll? Ich weiß es wirklich nicht!