Wieso, weshalb, warum?

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Ja, wer nicht fragt bleibt dumm. Drum frage ich auch. Jeden. Alles.
Und wenn man lange genug fragt, bekommt man auch irgendwann eine Antwort. Auch wenn mich die Amis manchmal für gaga halten.

Ich weiß jetzt zum Beispiel, warum die Kinos und Restaurants so gnadenlos gekühlt werden. Nämlich damit mehr Essen verkauft wird. Seltsam, aber wohl wahr.
Außerdem konnte ich herausfinden, warum es in so vielen Apartmenthäusern verboten ist, eine eigene Waschmaschine zu haben (wenn hier jemand einen roten Faden findet… ja, meine Lieblings-Bitch-Themen: Klimaanlagen und Waschmaschinen). Nicht wegen der Überschwemmungsgefahr, nein. Weil in der Regel der Vermieter die Wasserrechnung zahlt. Also geht es wieder mal ums Geld. Wundert ja nicht wirklich.

Aber auch ich kann hier Menschen erleuchten. Am liebsten mit deutschen Weisheiten á la Besserwessi.
Am Wochenende konnte ich eine Schmuck-Straßenverkäuferin davon überzeugen, dass Ihr vermutlich weniger geklaut werden würde, wenn Sie ihre Ringe an langen Gummibändern (gesehen auf dem Tollwood) befestigen würde. Sie hat mir bestätigt, dass ich unheimlich schlau bin. Ja, manchmal brauche ich das.

Und noch eine positive Mendung zum Schluß…
Ich habe mir heute drei Hosen, zwei T-Shirts, einen Gürtel und eine Tasche (nein Maurice, nicht schlagen!) gekauft. Alles zusammen für unter 100$. Da freut sich der Schnäppchenjäger. Hat auch nur ungefähr fünf Stunden gedauert…

Liebeserklärung

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Oh Mann, ich liebe, liebe, LIEBE diese Stadt!
Eigentlich waren die letzten Tage ganz nah dran an perfekt. Am Donnerstag bin ich endlich mit IF Fähre gefahren. Nach Staten Island. An der Freiheitsstatue vorbei, das Wasser hat geglitzert, den Wind im Haar… ein Segelschiff hat unseren Weg gekreuzt. Wow. Und ich natürlich ohne Kamera unterwegs… Staten Island selbst ist eher öde, aber der Blick auf die Skyline unglaublich toll.

Am Freitag dann mal wieder MoMA (sehr empfehlenswert die Ausstellung ‚Comic Abstraction‘, ist aber leider heute zuende) für lau mit anschließendem Film (auch für lau). Diesmal Chelsea Girls von Andy Warhol. Das Publikum sah so aus, als hätte es schon in den 60ern und 70ern in NYC gelebt und jede Menge Drogen genommen. Ich gebe zu, ich bin zwei mal während des Films eingenickt. Nicht so weit her mit meinem Kunstverstand. Mir gibt es nicht viel Nico dabei zuzusehen, wie sie sich 20 Minuten lang den Pony nachschneidet.

Gestern volles Programm. Erst Afternoon Tea in Alice’s Teacup auf der Upper West Side. Das ist ein unglaublich süßer Laden im Alice-im- Wunderland-Design. Kein Wunder also, dass im ganzen Cafe kein einziger Mann zu entdecken war. Meine Freundin Mina und ich tranken biologisch angebauten Tee und aßen Gurkensandwiches – wie echte kleine Engländerinnen. Hach!
Danach das Kontrastprogramm in Williamsburg. Und wieder hatte ich unheimliches Glück mit meiner Begleitung, die seit ihrer Kindheit in Brooklyn lebt und alle Ecken kennt. Besonders die interessanten. Second-Hand Läden, kleine Bars, den besten Blick auf den Sonnenuntergang und die Skyline Manhattans…
Nach einem Abendessen bei Teddy’s wieder zurück auf die Insel, kurzer Zwischenstopp bei Max Brenner, wo einen der Schokoladenduft schon erschlägt, wenn man nur die Türe auf macht. Ich habe schweren Herzens auf die Süßigkeiten verzichtet und mir nur die tollen Auslagen angesehen und im Geiste abgeschmeckt. Wer bitteschön ist perves genug, ein Stück Schokoladen-Pizza zu essen? Ja, genau. Die Amerikaner.
Nächste Station: ein voll ausverkauftes Kino. Ocean’s 13 in der Nachtvorstellung. Fassungsvermögen des Kinosaals: 1200. Eine Superlative jagt hier die nächste. Wie wird das erst, wenn ich wieder im gemütlichen Cinema in der Nymphenburgerstraße sitze?

Die grausame Wahrheit: es sind nicht mal mehr vier Wochen übrig vom großen Abenteuer.

Unter der Stadt

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Es ist eine Hass-Liebe. Die New Yorker U-Bahn, auch Metro oder MTA genannt, hat ihre eigenen Regeln. Manches ist gewöhnungbedürftig, manches SEHR gewöhnungsbedürftig, manches einfach cool.

Es gibt nirgends Uhren, was mich als Armbanduhr-Muffel erstmal irritiert hat. Mittlereile benutze ich mein Handy und alles ist gut. Es gibt kaum Rolltreppen. Das hat mich die ersten Tage ziemlich verstört, mittlerweile renne ich genauso wie alle anderen die Treppen hoch und atme oben angekommen nur noch ein kleines bisschen schwerer als normal. Wer nicht fit ist, ist hier eh verloren, denn die Wege sind weit, die Treppen allerdings nicht halb so steil wie in München (man stelle sich mal den Marienplatz ohne Rolltreppe vor).

Überall steht das Wasser in Pfützen zwischen den Gleisen – vereinzelt tropft auch was von oben – was es bei Hitze ziemlich dampfig werden lässt. Hie und da rennt auch mal eine Ratte rum.
Überhaupt ist das mit der Sauberkeit so eine Sache. Pingelig darf man wirklich nicht sein.
Als ich vor ein paar Wochen morgens um 2 mal wieder in Harlem stand (erm), konnte ich eine Reinigungscrew bei der Arbeit beobachten. Ha… ja… die Amis halt, gell…

Besonders gewöhnungsbedürftig sind aber die Züge selbst. Ist es am Gleis noch knackeheiß, braucht man im klimatisierten Zug dann schon eher eine Jacke.
Gerne bleiben die Züge auch einfach mal 10 Minuten in einem Tunnel stehen, ohne Ansage und wenn man Pech hat geht dann auch noch das Licht aus. Die New Yorker nehmen es gelassen, ich habe beim ersten mal schon leicht Panik geschoben.

Die Menschen lesen entweder oder haben einen iPod im Ohr. Man sieht sich gegenseitig nicht an, das scheint eher unhöflich zu sein. Ich kann es mir natürlich meistens nicht verkneifen. Es gibt aber auch so viel zu sehen…
Die junge mexikanische Frau, die gegen 11 Uhr abends sichtlich müde immer wieder zur Seite und auf die Schulter ihrer älteren und sehr nach Upper West Side aussehenden Sitznachbarin kippt. Die schaut beim ersten Körperkontakt noch etwas erstaunt, liest dann aber ungestört weiter. Oder die Gangster-Rapper-Jungs mit den in den Kniekehlen hängenden Hosen und diesen komischen Haarnetzen auf dem Kopf, die so grimmig schauen, dass man es ihnen fast schon glauben könnte… bis sie dann für eine junge Mutter mit Kinderwagen den Sitz räumen. Oder die schicken Babes, die Studs, die noch die Trainingshosen vom Gym anhaben, die Hipster im L-Train, die Punks, die Mädchen in Schuluniform…

Überhaupt sehen die Leute meist unfreundlicher aus, als sie in Wirklichkeit sind.
Wenn man mal ein bisschen länger auf den U-Bahn-Linienplan starrt, wird man gleich gefragt, ob man Hilfe braucht.
Ich habe das kürzlich selber mal ausprobiert. Die Starrenden haben sich als Schweizer entpuppt, die dann auch ziemlich froh war, dass ich ihnen sagen konnte, wo der Union Square ist. Da fühlt man sich doch gleich wie ein richtiger New Yorker.

Auf keinen Fall darf man bei der Beschreibung der New Yorker U-Bahn die Künstler vergessen. Wer als Musiker in den Metrostationen spielen möchte, muss am jährlich stattfindenden Auswahlverfahren Music Under New York teilnehmen. Dort werden dann ca. 20 Personen ausgewählt, die eine unlimitierte Erlaubnis erhalten. Und ich muss schon sagen, die Qualität der Musiker, besonders am Times Square und den anderen Knotenpunkten ist schon erstaunlich hoch. Da kann man dann schon mal zu spät zu einer Verabredung kommen, weil man sich von der tollen Gospel-Gruppe oder dem Plastikeimer-Trommler nicht losreißen konnte.

Neben der Musik gibt es aber auch noch eine Menge anderer Kunst zu sehen. Da müsste man sich fast mal einen Tag Zeit nehmen…

Unterwäsche-Geschichten

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Vor ein paar Jahren sah ich den Film Foreign Correspondents meines Freundes Mark zum ersten mal. In einer Szene (die glaube ich dann rausgeschnitten wurde), meint eine Frau, sie hätte am Abend keine Zeit, weil sie ihre Wäsche machen müsse. Ich fand den Satz damals doof. Einen Abend für die Wäsche? Was ist denn da bitteschön so aufwendig? Wama auf, Wäsche rein, waschen, trocknen oder aufhängen. Tja, deutscher Irrglaube.

Hier geht das so:

  • Wäsche sortieren und einpacken, am besten in eine große (IKEA-)Tasche, die man irgendwie auf ein Wägelchen montiert, das man dann hinter sich her zieht. Waschmittel in kleine Glasflasche umfüllen, weil man die riesen Flaschen nicht durch die halbe Stadt schleppen will.
  • 25ct-Münzen (Quarters) aus allen Taschen zusammenkramen.
  • Drei Blocks zum nächsten Waschsalon marschieren.
  • Dabei immer das Wägelchen balancieren, weil man es natürlich falsch beladen hat und die Räder zu klein sind und es dauernd umkippt, wenn man nicht aufpasst.
  • Eventuell noch ein paar Dollarscheine in den Automaten stecken und in Quarters umwechseln lassen (wenn der Automat die Dollarscheine annimmt, tut er nämlich nicht, wenn sie nicht nagelneu und ungeknickt sind)
  • Angesichts der riesigen Maschinen den Gedanken an 60°- und 40°-Wäsche wieder verwerfen und die vorher sortierte Wäsche in eine Maschine stopfen. Eine Mitteltemperatur auswählen und beten, dass die T-Shirts nicht eingehen.
  • 14 Quarters in die Maschine werfen, Waschmittel dazu, einschalten, Waschsalon verlassen
  • Kleinen Sushi-Lunch beim Stammjapaner einnehmen
  • Gerade rechtzeitig nach 40 Minuten zurück sein, um die fertige Wäsche aus der Maschine zu nehmen
  • Nun doch nochmal sortieren, weil die T-Shirts definitiv NICHT heiß getrocknet werden sollten.
  • Zwei Trockner anwerfen (je 4 Quarter), erstmal einkaufen gehen
  • Nach einer halben Stunde zurückkommen, die trockene Unterwäsche und halbtrockenen T-Shirts einpacken, die Einkäufe mit einem Expander auf der Wäschetasche befestigen, beten, dass alles gut geht
  • Sich balancierenderweise wieder auf den Heimweg machen
  • Den Wagen in den vierten Stock schleppen
  • Sich überlegen, ob man nicht doch den Rat einer amerikanischen Freundin beherzigen, seine Scham ob der getragenen Höschen überwinden und den netten chinesischen Wäschereimenschen an der Ecke die Wäsche in Zukunft abholen lassen sollte.
  • T-Shirts auf Kleiderbügel hängen und in der ganzen Wohnung zum Trocknen aufhängen

Sonst ist alles beim alten… nur dass ich langsam an meiner Zurechnungsfähigkeit zweifle. Habe mir heute neonrosa Ligloss im Totenkopf-Design und Superwoman- bzw. Pirates-of-the-Caribbean-Unterwäsche gekauft. Und eine Flasche kalifornischen Rotwein. Ohne ID. I swear!

Sonntag = Kirche

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Je nachdem wen man fragt, ist die Cathedral of St. John the Divine die größte gothische Kathedrale der Welt oder die zweitgrößte oder drittgrößte christliche Kirche der Welt.
Auf jeden Fall ist sie beeindruckend, riesig… aber da fehlt doch was? Genau, in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Bau am Westturm (über 100 Jahre nach Grundsteinlegung) endgültig abgebrochen, weil das Geld ausgegangen war. Daher eine Kathedrale ohne Turm. Trotzdem schön. Und heute, am Sonntag erstaunlich leer. Mal von den japanischen Touris abgesehen.

Gut für mich, so konnte ich mich in aller Ruhe umsehen, die kleinen Kapellen erkunden (jede einzelne einem anderen europäischen Einwanderungsland, bzw. dessen Schutzpatron gewidmed) und mich in den Gärten rumtreiben. Weil ich mehr erfahren wollte, habe ich mich dann noch spontan einer Führung angeschlossen, bei der die Geschichte der Kathedrale selbst zwar nur am Rande besprochen, aber stattdessen durch den ‚Biblical Garden‘ und durch die Gebäude rund um die Kathedrale geführt wurde. Super spannend! Die Führung durch die Kathedrale selbst werde ich sicher noch nachholen.

Leider waren einige Bereiche abgesperrt, weil im Innern der Kathedrale mit Hochdruck gearbeitet wird. Seit einem Brand Weichnachten 2001 wird an jeder Ecke restauriert und gebaut. Das Triptychon von Keith Haring konnte ich nicht finden, ich gehe also mal davon aus, dass es sich in einem der abgesperrten Bereiche befindet.

Diese beiden Süßen haben sich leider nicht dazu überreden lassen, mir ihre Schwanzfedern zu zeigen.

peacocks

Auch eine Sache, die ich mir bei schönerem Wetter noch einmal genauer ansehen muss: der Peace Fountain von Greg Wyatt.

peace fountain

Lazy Samstag

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Die letzten beiden Tage hatte ich eine Menge Zeit zum Gammeln. Irgendwie war mir und meinem dicken Kopf nicht nach City-Life. Auch nicht nach Fernsehen, auch wenn ich bei meinen 200 Kabelkanälen sicher etwas gefunden hätte. Mein lieber Scholli, war das heute heiß. Wie soll das erst mal werden, wenn es nicht mehr ’nur‘ 34 Grad sind, sondern über 40? Meine beste Idee war still zu liegen, um möglichst wenig zu schwitzen.

Die beste Gelegenheit, um mich mit meinem Audible-Abo auseinanderzusetzen. Ich habe mir also zwei Hörbücher heruntergeladen und eins schon fast zuende gehört (sehr empfehlenswert: ‚The Night Listener‘ von Amistead Maupin – wurde auch verfilmt und sollte dieses Jahr in die deutschen Kinos kommen).
Außerdem habe ich herausgefunden, dass ich mir als Abonnentin jeden Tag kostenlos den ‚New York Times Audio Digest‘ runterladen kann. Eine Dreiviertelstunde gesprochene Artikel aus der aktuellen Ausgabe. Natürlich auch mit Gähn-Themen wie Business und Sport, aber da kann man ja dann weiterspulen.

Jede Menge kostenloser Podcasts der New York Times gibt es auch hier. Sehr amerikanisch: ‚The Ethicist‘. Schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat.

Home, sweet home

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Da immer mal wieder Fragen kommen… Hier wohne ich also. oberstes Stockwerk, nach hinten (Süden) raus, mit Blick auf die Terassen und Hinterhöfe anderer Brownstones.

my house

Domo arigato…

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Mr. Roboto!

Ich bin so froh, dass ich mich trotz Fieber und Kopfschmerzen dazu aufgerafft habe, zum RoboSonic Eclectic-Konzert zu gehen. Gesundheitsmäßig hat mir der Abend zwar den Rest gegeben (hier bitte random bitching zum Thema Klimaanlagen einfügen), aber das war es irgendwie wert.

Wie schon vermutet war es ein Abend unter Nerds. Die League of Electronic Musical Urban Robots, kurz LEMUR, ist eine Truppe von musikalischen und elektronischen Genies, die am Veranstaltungsort, dem 3LD Art & Technology Center über 30 Roboter aufgebaut hatte, die andere Musiker begleiteten und doch irgendwie die Hauptdarsteller des Happenings waren. Ich habe ein paar kleine Filmchen mit meiner Digicam aufgenommen. Reicht für meine Zwecke aus, hat aber wegen der dürftigen Qualität keinen Sinn, sie online zu stellen. Daher hier ein YouTube-Teaser:

Das Streichquartet aus dem Filmchen war der letzte Act. Der Komponist und Dirigent ist JG Thirlwell von Foetus.

Ich bin ja eigentlich ursprünglich nur wegen They Might Be Giants hingegangen, die natürlich auch toll, aber bei weitem nicht das Higlight waren. Überhaupt hätte ich nie gedacht, dass Mensch und Maschine so perfekt zusammenspielen können. Ich bin schwer beeindruckt.

Der Veranstalter meinte übrigens, dass die Crew gerne auf Tour gehen würde, man bräuchte sie nur einladen. Falls also jemand jemanden kennt, der jemanden kennt…

Und weil es so schön ist, hier noch ein Filmchen vom guitar bot pur (man beachte das Wackeln, das hat mich schon beim Konzert sehr erheitert):