Die Welt ist klein

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Letzte Woche habe ich einen ganzen ‚lazy afternoon‘ mit meinem alten Freund Mark im Central Park verbracht. Er war die Woche über mit seiner Frau in New Jersey bei deren Eltern zu Besuch und kam für einen Tag rüber nach Manhattan, um mal wieder ins Met zu gehen und sich mit Freunden zu treffen. Eigentlich wollte ich die beiden in New Jersey besuchen, was dann aber doch nicht so geklappt hat, hauptsächlich weil ich geschwächelt habe.

Na, jedenfalls trafen wir uns Broadway und 96th St, gleich um die Ecke von meiner alten Wohnung, in der ich letztes Jahr gehaust hatte. War schön, mal wieder die alte Nachbarschaft zu sehen. Und ich habe mir geschworen, wenn jemals wieder NYC für länger, dann unbedingt wieder in die Upper West Side. Ich liebe dieses Viertel!

Zum Treffpunkt wurde er noch von seinem ‚Lunch-Date‘ Jamie begleitet, einem eingeborenen Upper West Sider, der aber auch lange Zeit in Los Angeles gelebt hat. Lustigerweise kamen wir drauf, dass ich eben diesen Jamie bereits vor über 15 Jahren bei einer Neighborhood Watch in Marks altem Viertel in Hollywood kennengelernt hatte. Wie gesagt: die Welt ist klein.

Im Laufe des Nachmittags haben Mark und ich dann zwei mal den Central Park durchquert und einmal das Reservoir umrundet. Dazwischen kleinere Pausen auf schattigen Parkbänken und Unterhaltungen über vergangene Zeiten (Weißt Du noch damals in Florenz? Du und Deine beiden Freunde haben während eines Abendessens 18 Zigaretten geraucht. Ich habe mitgezählt! oder: Weißt Du noch, als ich Dich das erste mal in LA besucht habe? Da hatte ich Dir eine Flasche Wein mitgebracht und Du warst entsetzt, weil Du ganz strikter Antialkoholiker warst? – Mittlerweile rauche ich nicht mehr, dafür trinkt er gerne mal ein Gläschen), unsere Leben, unsere Liebsten…

Alte Freunde sind was wunderbares.

Good Morning America

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Woran denkt der Durchschnittsmensch beim Stichwort Amerika? Burger und Fernsehen, oder? Das dachte ich auch und habe daher Sabine und Franz zur Aufzeichnung einer ‚all American‘ Fernsehsendung geschleift. Good Morning America wird schon seit über 30 Jahren werktags zwischen 7 und 9 Uhr EST landesweit auf ABC ausgestrahlt. Die Sendung besteht aus Nachrichten, einem Boulevardteil, Lebenshilfe… eben allem, was gutes Frühstücksfernsehen ausmacht. OK, ‚gut‘ ist ja auch ein dehnbarer Begriff.

Wir hatten jedenfalls Spaß, auch wenn wir vor 5 Uhr aufstehen mussten, um uns gegen 6 Uhr Früh in die Schlange vor den ABC-Studios am Times Square einreihen zu können. Die Reservierungen hatte ich in weiser Voraussicht schon vor zwei Monaten gemacht, da konnte also nichts schief gehen.

Das ganze war unbestreitbar ein Erlebnis… von der ‚Einpeitscherin‘ (die ich mir schlimmer vorgestellt hatte), die dem Studiopublikum gnaueste Anweisungen gab, wann es klatschen und jubeln sollte, wann es die mitgebrachten Plakate in die Höhe halten und wann es möglichst ruhig im Hintergrund stehen und nichts tun sollte (don’t even breathe!), über die Moderatoren und das Studiopublikum.

Die Themen waren nicht sonderlich spannend, aber doch amerikanisch-aufgeregt aufbereitet. Eine Mutter findet eine kleine Schlange um den Fuß ihres Kindes gewickelt, als sie ins Kinderbettchen sieht. Dem Kind geht es gut, der Kinderarzt geht davon aus, dass es in seiner Entwicklung nicht beeinträchtigt ist. Die 5 Stellen, die man beim einschmieren mit Sonnencreme gerne mal vergißt, warum amerikansiche Studenten oft schon Kreditkartenschulden in 5-stelliger Höhe abbezahlen… und noch einiges mehr. Dazwischen News-Blöcke sowie eingespielte Interviews und Reportagen.

Das Studiopublikum bestand hauptsächlich aus Touristen – Hausfrauen und Familien aus dem mittleren Westen, aufgeregte Kinder im Teenageralter, die Ehemänner gelangweilt im Hintergrund. Eine Gruppe Pfadfinderinnen in identischen T-Shirts, eine Gruppe junger Hörbehinderter – und wir mittendrin. Jeder wollte irgendwann mal im Bild sein, dafür hatten einige Papierplakate gebastelt mit Grüßen an die Daheimgebliebenen. Der weibliche Teenager vor uns schrieb z.B.: ‚1st time in New York, hello to Michigan, I miss you Josh!‘ (oder so ähnlich). An ihrem Oberarm waren fünf eindeutig geformte blaue Flecken zu sehen, Josh war also scheinbar nicht so begeistert, dass sie das erste mal (ohne ihn!) in New York war. OK, Spekulationen…

Die Moderatoren sind amerikanische Ikonen (ok, ich weiß, dass das englische icon nicht gleichzusetzen ist mit der deutschen Ikone. Hat jemand eine bessere Idee?), allen voran Diane Sawyer, die aber ausgerechnet gestern nicht im Studio war. Sehr süß allerdings der männliche Anchor Chris Cuomo, begleitet von Robin Roberts, einer schwarzen Schönheit mit rapselkurzen Haaren, die erst vor wenigen Monaten in der Sendung ihre Perücke abnahm und glatzköpfig von ihrer Krebserkrankung sprach. Jeder hier scheint die Lebensgeschichten der berühmten Frontfrauen- und Männer der Sendung zu kennen, das sind eben die amerikanischen Uli Wickerts und Eva Hermanns.

Franz behauptet übrigens, einmal voll im Bild gewesen zu sein. Leider habe ich bisher keine Online-Quellen gefunden, die das bestätigen könnten.

Die Dekadenz greift um sich

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Nachdem ich ja nun tatsächlich Lieferkunde von Fresh Direct wurde, habe ich heute etwas neues ausprobiert: The Wash Depot Laundromat.

Für das, was es kostet, hier seine Wäsche abholen, waschen, falten und zurückbringen zu lassen, hätte ich selbst keine Lust, die riesen IKEA-Tasche in dieser Affenhitze zwei Blocks zum nächsten (nicht-klimatisierten) Waschsalon zu schleppen, da eine bis zwei Stunden rumzusitzen und meinen T-Shirts beim herumwibeln zuzusehen und das ganze dann wieder zurück nach hause und in den dritten Stock hoch zu schleppen. Es hat mich zwar einige Überwindung gekostet, einem wildfremden Lieferanten meine getragene Wäsche anzuvertrauen, aber ich habe es geschafft! Tschacka! Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob ich Samstag Vormittag auch alles wieder zurück bekomme.

Was mir in diesem Zusammenhang mal wieder sauer aufstößt: auf dem Lieferschein wurde vom Wäscheabholer unter dem Punkt ‚10% Tip‘ gleich mal ‚yes‘ angekreuzt, ohne mich zu fragen. Ja ich weiß, die Leute bekommen hier miese Stundenlöhne, aber ich bestimme immer noch ganz gerne selbst, ob und wieviel Trinkgeld ich gebe. Dumm eigentlich für ihn, denn ich hätte ihm höchstwahrscheinlich mehr als 10% gegeben…

Deep into that darkness peering…

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Hurra, heute sind Sabine und Franz angekommen.
Ihre Unterkunft im East Village ist wirklich sehr schön (habe ich gut ausgesucht 🙂 und die Vermieter auch prima. Ein Musikerpaar, das nebenbei noch Zimmer vermietet, spirituell aktiv ist und die ‚Homeless feedet‘. Der aus der Zimmervermietung erwirtschaftete Überschuss kommt übrigens auch den Obdachlosen zugute. Wer also mal ein sauberes Zimmer mit guten Vibes in einem Fleisch- und Rauchfreien Haus im East Village sucht, kann von mir gerne die Kontaktdaten bekommen.

Aber eigentlich wollte ich ja was ganz anderes erzählen. Als ich heute Abend aus dem East Village nach hause gefahren bin, habe ich mich zum ersten mal richtig gegruselt in Brooklyn. Erstmal natürlich das beliebte U-Bahn-Ratespiel: warum kommt hier der D-train, wo das doch ein F-train Bahnhof ist? Am besten mal einsteigen und erst dann fragen, denn sonst ist der Zug, auf den man 20 Minuten gewartet hat, auch schon wieder weg. Zurück fahren kann man ja immer noch. Laut der anderen Fahrgäste war das dann aber der falsche train auf dem richtigen Gleis und der würde dann auch an der Bergen Street, meiner Haltestelle halten. Ja, hat er dann auch. Und meine Mitreisenden warfen mit bedauernde Blicke zu und einer fragte, ob ich da wirklich aussteigen wolle… der Bahnsteig war nämlich stockdunkel, als der Zug einfuhr. Ja, ich wollte. was blieb mir auch anderes übrig? Ich schloß mich im Dämmerlicht ein paar anderen Mutigen an und wir tapsten blind die Treppe hoch, bis uns dann oben ein Polizist mit Taschenlampe empfing. Heilige New Yorker Ordnungshüter… der hatte es nicht sonderlich eilig, uns vor Knochenbrüchen zu bewahren. Oben ankommen sahen wir dann, dass der gesamte Straßenzug im Dunkeln lag. Vier riesige Feuerwehrautos und unzählige Polizeifahrzeuge auf der Straße… überall kleine Grüppchen Uniformierter, die gemütlich plauschten. Und ich hatte keine Ahnung, in welcher Richtung mein Haus lag – war ja stockdunkel. Schnell einen Polizisten gefragt und im Dunkeln in die angezeigte Richtung losgestapft. Half ja nix, wollte ja heim. Gottseidank wurde es dann heller, als ich um die nächste Ecke bog. Meine Straße lag hell erleuchtet vor mir und ich musste mir keine Gedanken mehr machen, wo bloß die Kerzen und die Zündhölzer lagen.

“Deep into that darkness peering, long I stood there, wondering, fearing, doubting, dreaming dreams no mortal ever dared to dream before.” (Edgar Allan Poe).


Rüber über die Brück‘

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Ne, hier geht es nicht um den Neckar, sondern um den East River.
Letztes Wochenende habe ich nämlich endlich bei einer Forgotten NY Tour mitgemacht. Es ging von Chinatown aus über die Manhattan Bridge nach Brooklyn und anschließend von Brooklyn Heights aus über die Brooklyn Bridge wieder zurück nach Manhattan.

Da kann ich nur sagen: fight your fears. Eine extrem… erm… interessante Geschichte für Höhenängstliche…

Generell zur Tour ist zu sagen: manche Sachen sind zu Recht ‚forgotten‘. Ich fand es trotzdem ganz spannend, mal da rumzulaufen, so man sonst nicht unbedingt hinkommt. Die Tourguides waren teilweise etwas laaaangsaaaam und umständlich und die Informationen nicht immer ganz koscher, aber dafür ist das ja auch keine kommerzielle Geschichte, sondern just for fun. Falls es nochmal einen Forgotten Walk gibt, während ich hier bin, werde ich auf jeden Fall versuchen, wieder dabei zu sein.

Wer genau hinschaut, kann sogar IF und mich in den Videos/Bildern entdecken.

A propos IF… die stellt derzeit im Rahmen des Bushwick Open Studios & Arts Festival 08 aus. Gestern habe ich bei ihrer Galerie in Bushwick vorbeigeschaut (tolle Fotos!) und mir in der Gegend auch noch die Sachen einiger anderer Festivalteilnehmer angesehen. Vieles interessant, einiges unbeschreiblich. Wer noch beim BOS 08 vorbeischauen möchte: heute ist der letzte Tag.

Willkommen in Brooklyn!

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Nach etwas längerer Blog-Abstinenz mal wieder ein Lebenszeichen von mir….
Die letzten Tage war einfach zu viel los – Wohnungssuche, Umzug, Arbeit – als dass ich Zeit und Muse zum Bloggen gehabt hätte.

Jawoll, ich bin umgezogen! Meine neue Unterkunft ist nicht wirklich mit meiner vorherigen zu vergleichen. Natürlich hatte die auch ihre Reize, keine Frage. Aber mal ehrlich: Ich bin einfach nicht der Saftbar-Typ 🙂
Die Verkehrsanbindung war im Financial District natürlich toll, die Waschmaschinen gleich im Haus (jetzt gehen die Waschsalon-Nöte wieder los, hurra!)… und ich hatte eine Superpower-Klimaanlage. Wie schnell man sich als Mitteleuropäer an dieses stromfressende Ding gewöhnen kann, unglaublich.

Aber zu meiner neuen Behausung: Ich wohne jetzt alleine in einer sehr hübsch eingerichteten (viva Feng Shui) kleinen Wohnung mit einem Schlafzimmer, einem Wohn/Ess-Bereich und einem kleinem Bad in einem uralten Haus in Cobble Hill. Die Wände sind schief, die Dielen knarzen und die Badewanne ist über 100 Jahre alt. Ich fühle mich pudelwohl. Bisher habe ich noch keine ‚Roaches‘ gesichtet, was mich sehr beruhigt, die Vermieterin hat mir aber für alle Fälle schon mal gezeigt, wo der Insektenvernichtungsspray aufbewahrt wird und mich darauf vorbereitet, dass am letzten Samstag im Monat ein netter Herr mit Giftspritze klingelt – das ist dann der städtische Zimmerjäger – und nachfragt, ob ich seine Dienste benötige.

Der Nachbar zu meiner Linken macht frühmorgens Stimmübungen im Bad und aus dem Deli im Erdgeschoss ziehen in regelmäßigen Abständen Knoblauchdüfte durchs offene Fenster (offene Fenster sind nötig, da die Klimaanlage kaum was bringt – dafür habe ich aber Zugang zum Dach und kann mir da ein bisschen den Wind um die Nase wehen lassen). Heute wird es sauheiß, mal schaun, wie sich die Lage entwickelt und ob ich mir nicht noch einen Ventilator zulege.

Meine Nachbarschaft ist sehr bunt gemischt, viele Familien, Künstler, alle möglichen ‚Ethnicities‘. Tolle kleine Restaurants und Geschäfte, interessante Menschen. In meinem neuen Lieblings-Frühstücksladen hat die Bedienung Tätowierungen einer Stehlampe und einer Nähmaschine. Ich bin sehr begeistert.

Ein Samstag in NYC

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Ich hatte ja gedacht, dass die Schlemmerei ein Ende hat, sobald Patrick und Rosy die Stadt verlassen. Falsch gedacht!

Der Tag fing gestern schonmal gleich passend mit Gratisessen in Nolita an. Anlässlich einer Restaurantneueröffnung gab es im Bún die letzten drei Tage jeweils von Mitternacht bis Mittag Essen umsonst. Man musste nur rechtzeitig reservieren, was meine clevere Freundin Jessica auch getan hat. Sie hatte sogar so rechtzeitig reserviert, dass wir nicht um 5 Uhr morgens dort hingehen mussten, sondern einen bequemen Termin um 10:30 Uhr bekamen… perfekt zum Brunch.
Klar, es gab nur Kleinigkeiten und auch nur sporadisch, da der Laden brechend voll war – aber sich für ein paar Dollar Tip in einem zugegebenermassen erstklassigen Restaurant an Lamm und Garnelen laben zu können, das ist schon nett:

Da uns die Häppchen nicht wirklich satt gemacht hatten, ging es danach noch weiter nach Chinatown auf einen Bubble Tea.

Der Nachmittag war dann schnell vorbei mit Wohnungssuche und Wäsche waschen (beides die üblichen New Yorker Samstagnachmittagsvergnügungen).

Abends ging es dann mit Mina auf einen Cocktail und ein paar Tapas in die Yucan Bar im East Village und hinterher zum unglaublich günstigen Sushi-Laden um die Ecke, der IMMER Sushi für 50% des eigentlichen Preises verkauft.

Heute muss ich mir die Kalorien unbedingt wieder abtrainieren und mache mich deshalb gleich auf zur (wegen schlechten Wetters bereits verschobenen) Forgotten NY Tour über die Brooklyn- und die Manhattan Bridge.