Hollywood ist verdammt weit weg

Standard

Wäre alles reibungslos verlaufen, wäre ich heute im sonnigen Los Angeles (ok, 14° C ist auch nicht SO kalifornisch warm) mitten im Oscar-Gewühle und würde nach Filmstars Ausschau halten! Eigentlich hätte ich nämlich meinem Lieblings-Fotografen Kurt bei der Veranstaltung als ‚Messenger‘ unter die Arme greifen dürfen. Aber leider bin ich viel zu vernünftig und habe letzte Woche schweren Herzens absagen müssen, um mich ganz auszukurieren und meinen Mann zu pflegen 😉

Und so kommt es also, dass ich an einem Sonntag Morgen um 7 Uhr an meinem Rechner sitze und Steuerunterlagen sortiere, statt mit Brad Pitt zu flirten. Was sagt uns das? Ich werde echt alt…

ER die zweite (und dritte)

Standard

Da ich ein paar Mails mit Fragen nach meiner/unserer Gesundheit bekommen habe und mir gerade noch etwas schwer tue mit der Konzentration, hier erst mal ein Rundumschlag: mir geht es sehr, sehr viel besser. Ist auch wichtig, denn Maurice hat es richtig böse erwischt und er ist jetzt – nach 10 Tagen gerade mal in der Lage, ein paar Stunden aufzustehen. Mitte letzter Woche habe ich ihn dann doch auch überreden können, ins Krankenhaus zu gehen und sich durchchecken zu lassen, ich habe mir nämlich richtig Sorgen um ihn gemacht, da er teilweise kaum ansprechbar war. EKG, Blutuntersuchungen und Röntgen haben dann aber Entwarnung gegeben, er hatte eine beginnende Lungenentzündung, die aber auch mit Antibiotika gut zu behandeln war.
Kurzer Lacher am Rande: ich hatte zwei Wochen vorher noch codeinhaltigen Hustensaft verschrieben bekommen, der mir sehr gut geholfen hat. Als ich den Arzt nach demselben Saft für Maurice fragte, meinte der, die Apotheker in Oakland hätten eine Woche vorher verkündet, diesen Saft nicht mehr rauszugeben, da zu viel Mißbrauch damit getrieben wurde. Codein macht nämlich high. Was ist das denn für ein Scheiß???? Weil ein paar Junkies den Hustensaft als Droge mißbrauchen, bekommen Leute, die wirklich krank sind eine Abfuhr? Warum nicht gleich auch Schmerzmittel und Psychopharmaka einbehalten?

Jetzt heißt es eigentlich nur noch durchhalten und gesund werden und die Daumen drücken, dass der Ausfall sich nicht negativ auf Maurice‘ Job auswirkt. Drückt mit, ja?
Da er noch keine PDOs (payed days off) angesammelt hatte, wird er für die versäumten Tage auch nicht bezahlt. Vielleicht ganz gut so, dann ist er dem Arbeitgeber auch nix schuldig. Dafür muss er, bevor er wieder zurück ins Büro darf, zum Arzt gehen und sich ‚gesund schreiben‘ lassen. Hier gehen die Uhren wirklich komplett anders, oder? Wieder was gelernt…

Ach ja… die dritte ER-Geschichte. Ich habe letzte Woche die Rechnung für meinen 4-stündigen Aufenthalt bekommen (3,5 Stunden davon Wartezeit). OK, haltet Euch fest: über 2.500 Dollar. Abzüglich 40% Rabatt für nicht versicherte Patienten kommt der Spaß dann immer noch auf über 1.400 Dollar. Mir ist erstmal die Luft weggebleiben, diesmal nicht wegen der Lungenentzündung. Ich hoffe, dass meine Auslandskrankenversicherung den größten Teil übernimmt. Bisher haben sie sich noch nicht geäußert.

Crazy Town

Standard

Nach 3 Wochen zwischen Bett und Sofa lechze ich jetzt nach einem Abend in der Stadt. Noch muss ich warten, bis Maurice wieder auf den Beinen ist, aber dann gibt es kein Halten mehr…

… und kein George Clooney in Sicht

Standard

Ich war ja schon immer mal neugierig, ob es in amerikanischen ‚Emergency Rooms‘ wirklich so zugeht wie im Fernsehen. Aber SO sehr hat es mich dann doch nicht interessiert, dass ich unbedingt jetzt gleich und sofort einen von innen sehen musste.

Kurz zur Vorgeschichte: vorletztes Wochenende waren wir in  Santa Cruz, einem kleinen Hippie-Städtchen direkt am Meer und haben Maurice‘ Abschied vom süßen Nichtstuerdasein gefeiert. Den Kurztrip hatte er von mir zu Weihnachten bekommen, weil klar war, dass unser Winterurlaub in Deutschland zwar schön werden würde, aber sicher auch anstrengend. Und das Wochenende war wirklich super! Ein Zimmer in einem schönen Hotel mit traumhafter Aussicht raus aufs Meer. Die ganze Nacht Meeresrauschen im Ohr. Man konnte morgens einen der schönsten Sonnenaufgänge vom Bett aus betrachten. Tagsüber haben wir Surfer am Strand beobachtet, abends jede Menge Fisch gegessen. Alles sehr schön! Und zur Krönung haben wir auf der Heimreise noch einen Abstecher ins Naturreservat Año Nuevo gemacht, wo sich um diese Jahreszeit tausende von See-Elefanten treffen, um ihre Kinder auf die Welt zu bringen und sie ein paar Wochen aufzuziehen. Bilder dazu gibt es noch irgendwann…

Als wir dann wieder zuhause waren merkte ich schon: ohje, Erkältung. BÖSE Erkältung. Wegen meiner Abneigung gegen Medikamente hab ich erst mal nichts genommen, den Husten einfach akzeptiert und mir Globuli und Honigsaft reingepfiffen. Weitergearbeitet habe ich natürlich trotzdem. Mein Befinden ging rauf und runter, der Husten wurde eher schlimmer. Diesen Samstag sind wir dann Häuser ansehen gegangen, denn jetzt wird es ja ernst mit der permanenten Bleibe. Sonntag war ich dann wieder total geplättet. Und gestern Nachmittag war’s mir dann endlich egal, dass ich ja keine Krankenversicherung habe und den Schmarrn erstmal selber zahlen muss… ich habe mir ein Taxi gerufen und mich in den nächsten ER chauffieren lassen. War eine gute Idee!

Wie es war? Hm, kein großer Unterschied zu den deutschen Krankenhäusern, in denen ich schon die Freude hatte, die Notaufnahme zu besuchen zu dürfen. Das übliche Chaos gepaart mit Desinteresse von Seiten der Belegschaft…
Die einzigen Unterschiede bei der Aufnahme: man wird danach gefragt, ob man häuslicher Gewalt ausgesetzt ist und ob man religiöse Präferenzen hat. Die Frage nach einer Schwangerschaft, die ich eigentlich in meinem zarten Alter erwartet hätte, fiel erstmal unter den Tisch.

Die zwei Stunden im Wartebereich vergingen wie im Flug… denn DA war es schon interessanter als in Großhadern. Oakland ist ein rauhes Pflaster, das sieht man an solchen Orten ganz besonders. Ein recht buntes Völkchen hatte sich eingefunden: betont coole schwarze Jugendliche in Gang-Farben, alte Asiatinnen, ein verschleiertes Mutter-Tochter-Pärchen, zwei alte Italiener (einer davon mit einer Tüte frischer Tortellini in der Hand – weiß der Geier, warum), heftig tätowierte und gepiercte Jungs und Mädels, white Trash. Ich tue in solchen Situationen immer so, als gehöre ich zu letzterem. Funktioniert immer – besonders, wenn ich meinen alten, fleckigen Jogginganzug anhabe 😉

Im Untersuchungsraum war es dann auch wieder ganz so wie im Fernsehen: eine lange Reihe von Pritschen, jede durch einen Vorhang von der anderen getrennt. Ich musste so ein doofes Flügelhemdchen anziehen und wurde dann abwechselnd von einer Schwester und einer jungen Assistenzärztin malträtiert. Aber alle waren sehr nett zu mir. Ich musste inhalieren, bis mir schlecht wurde, dann wollten sie  noch meine Lunge röntgen. Ich habe dann erklärt, dass ich ja wohl doch noch im gebärfähigen Alter sei und ich eigentlich vorher einen Schwangerschaftstest erwarten würde. Das hat sie dann etwas aus der Bahn geworfen, aber es wurde alles schön nach meinen Vorstellungen erledigt. Lustigerweise hörte ich fünf Minuten später in der Nachbarzelle (in der das verschleierte Mädel mit seiner Mutter untergekommen war), dass vor dem Röntgen ja UN-BE-DINGT ein Schwangerschaftstest gemacht werden müsse, das sei ja Pflicht bei jungen Frauen. Unnötig zu sagen, dass die junge Muslima hoch empört war.

Ach ja… ich habe ne Lungenentzündung.