I am worthy!

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Ja, das ist so eine Sache mit der Kreditwürdigkeit. Hier noch viel mehr als in Deutschland. Bevor wir München verlassen haben, wollte ich mir noch schnell eine American-Express-Kreditkarte besorgen, weil man die hier in den USA einfach auf die neue Adresse ummelden kann und da nicht das Hin und Her mit dem Beantragen einer neuen Karte hat. Damals hat mich AE abgelehnt, weil ich angeblich ‚in einem schlechten Viertel‘ wohnte. Das haben sie natürlich nicht offiziell gesagt, eine nette Kundenservice-Dame hat es mir aber am Telefon verraten. Ich habe sie dann gefragt, ob sie schon mal in München war und wirklich denkt, dass es innerhalb des Mittleren Rings ein ’schlechtes Viertel‘ gibt. Nach etwas Recherche im Internet konnte ich dann aber herausfinden, dass AE da generell etwas zickig ist und wenn einer meiner Nachbarn einen Schufa-Eintrag hat, dann gilt gleich der ganze Straßenzug als ’schlechtes Viertel‘. OK, deren Verlust…

Naja, egal… jedenfalls habe ich mir hier dann ja eine Prepaid-Kreditkarte besorgt und damit in den letzten Monaten ordentlich Umsatz gemacht. Den entliehenen Betrag immer schön brav rechtzeitig abbezahlt (das Perfide am amerikanischen System ist nämlich, dass die Kreditkarte nicht automatisch am Monatsende durch Geldeinzug vom Girokonto ausgeglichen wird, sondern man muss da selber dran denken und die Zahlung machen. Wer es vergisst, zahlt ordentlich Zinsen – also vergisst man es lieber nicht) und wurde dann letzten Monat mit einer großzügigen Erweiterung meines Kreditrahmens um sage und schreibe $300 belohnt sowie mit einem credit score von 679. Nicht schlecht nach 9 Monaten.
(Kurze Erklärung zum credit score: ohne den geht hier gar nichts. Wenn man keinen oder einen schlechten hat, muss man in vielen Bereichen höhere Kautionen hinterlegen, hat Nachteile beim Hauskauf oder der Wohnungssuche, beim Banking etc.)
Beim Autokredit hat uns der schon relativ gute credit score aber auch nicht weiter geholfen, der Zinssatz liegt für uns bei knapp 10 %. Autsch. Na, immerhin hat man in Kalifornien ein Sonderrückzahlungsrecht ohne Strafzahlungen. Will heißen: wenn man den Kredit schneller zurück zahlt, muss man auch entsprechend weniger Zinsen zahlen. Aber vorsicht! Wer seinen Kredit in unter 12 Monaten abzahlt, hat das Problem, dass dieser keine Auswirkungen auf den Ausbau des credit score hat. Ein Teufelskreis 😉

Nun der Grund des Postings und meiner Freude: ich habe eine Best-Buy-Kreditkarte bewilligt bekommen! Ohne Prepaid! Juhuuuu! Warum ich mich so freue? Weil ich jetzt bei Best Buy eine Waschmaschine und einen Trockner auf Raten kaufen kann und eventuell sogar noch einen Fernseher dazu (zinsfrei abzahlbar innerhalb von 18 Monaten). Leider reicht der Kreditrahmen von $600 nicht für einn Trockner oder einen Fernseher 😉
Wenn man mal mit diesem Leben auf Pump angefangen hat, dann fällt das bei jedem Mal leichter…
Naja, ich glaube, eine Wama und einen Trockner könnte ich mir auch so noch leisten, aber der credit score, der credit score…

Fazit: man wird hier gezwungen, Kredite aufzunehmen, damit man noch mehr Kredite aufnehmen kann. Hm. Da steckt doch ein Fehler im System, oder?

Reif für die Insel

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+++ Super-Sonder-Update +++ Umzug abgeschlossen +++ Immer noch keine Möbel +++

Unglaublich aber wahr, wir wohnen nun in ‚unserem‘ Haus. Auf der Insel. Und diese Insel heißt Alameda. Ein beschauliches Eiland an der Bay, direkt gegenüber von San Francisco. Mit Oakland durch einen Tunnel und zwei Brücken verbunden. Hübsch ist es hier. Sehr beschaulich, ein bissl spießig, aber dafür relativ sicher. Ich muss sagen, das haben wir fein gemacht. Die Miete ist auch ok für die Größe und die Lage der ‚Burg‘. Der Burggraben wird von allerlei Getier (i.e. Enten und Schildkröten) bevölkert und der lustige Güterzug Amtrak-Zug im nahen Containerhafen von Oakland spielt uns regelmässig eine kleine Nachtmusik. Wir sind angekommen!

Alles hat irgendwie gut geklappt. Die Vermieterin hat auf unser Drängen hin den größten Teil des Hauses neu streichen lassen (schlammbraune Zimmer machen mich so depressiv!), der Umzug, wenn man ihn denn so nennen darf lief reibungslos innerhalb eines Nachmittages ab. Die wichtigsten Möbel haben wir auch schon. Also einen anständigen Schreibtisch für mich und ein Set Gartenmöbel, das wir derzeit noch als Esszimmergarnitur nutzen. Der Container kommt auch schon am 21. April an (angeblich!), das heißt nur noch 5 Wochen auf der Luftmatratze schlafen, hurra!
Ich versuche immer noch verzweifelt, den üblen Geruch aus den diversen begehbaren Kleiderschränken und aus den Kücheschränken raus zu bekommen. (Danke für den Tipp mit dem Essig, lieber Schwiegervater. Es stinkt leider immer noch! Ich versuche es jetzt dann mal mit sündteurer Aktivkohle)

our house

Blick vom Wohnbereich nach oben zum „Loft“. Das soll mal Maurice‘ Zimmer/das Gästezimmer werden – wenn wir Möbel haben.

our house

Der Bruggraben von der unteren Terrasse aus betrachtet (ja, wir haben zwei Terrassen… *seufz*)

Leider ist das Wetter gerade nicht so der Hit. Ich befürchte, es regnet sich langsam ein. Meine Eltern, die ja ursprünglich eine dreiwöchige Reise durch den Wilden Westen geplant hatten, sind nach einer Woche wieder nach Nordkalifornien zurückgekehrt. Vier Meter Schnee in Nevada und geschlossene Pässe hatten sie sich dann doch nicht vorgestellt. Jetzt bewohnen sie bis zu Ihrer Abreise Ende des Monats ein nettes viktorianisches Häuschen auf ‚unserer‘ Insel und ich glaube, es gefällt ihnen ganz gut.

The Times They Are a-Changin‘

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Kinder, uns war ja klar, dass es nach den diversen Wehwehchen nur aufwärts gehen konnte. Aber nun entwickelt sich schon alles ziemlich rasant. Frau hat kaum noch Zeit zum Luftholen (oder schlafen).

Die allerbeste Nachricht zuerst: Maurice ist wieder gut aufgeräumt im Büro. Uff. Ich bin auftragsmäßig gut ausgelastet, dann kommen heute meine Eltern aus Deutschland an, gestern haben wir uns ein Auto gekauft und morgen unterzeichnen wir den Mietvertrag für ein Häuschen am Wasser. Nicht schlecht, oder?

Am Samstag ziehen wir um. Wir haben zwar noch keine Möbel (und nach der Anzahlung fürs Auto und der Kaution fürs Haus auch kein Geld mehr), aber besitzen immerhin eine Doppel-Luftmatratze, Bettzeug, einen altersschwachen Bürostuhl (hat mir unsere letzte Vermieterin geschenkt) und ein Schreibtischchen von IKEA. Die werden unser 160-qm-Häuschen sehr wohnlich aussehen lassen. Ha!
Dafür haben wir eine Terrasse direkt an einer Lagune und Enten vor dem Schlafzimmerfenster. Wer braucht schon Tisch und Sofa? Pah! Totally overrated!
Naja, vielleicht kratzen wir unsere letzten Kröten zusammen und kaufen uns am Wochenende zwei Klappstühle und ein Tischchen für die Zeit bis zum nächsten Gehaltsscheck. Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten!

Noch ein Wörtchen zum Auto: Maurice und ich haben gestern Abend verwundert festgestellt, dass wir nun beide den allerallerersten Kredit unseres Lebens aufgenommen haben. Das fühlt sich schon seltsam an. Jeder Amerikaner dürfte uns schallend auslachen für unsere Bedenken (also meine).  Das ist hier ja das normalste der Welt.