Abenteuerliche Abenteuer in der Ost-Bucht

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Die gute Nachricht zuerst: NOCH wurde uns nicht gekündigt. Unsere Vermieterin scheint ein paar Problemchen zu haben, einen Nachmieter zu finden, der Ihren Mietvorstellungn nachkommen kann/will. Gut für uns, so können wir unser Häuschen noch eine Weile genießen. Aber ganz ehrlich: langsam geht das auch an die Nerven.

Und damit uns das nicht bei der nächsten Wohnung wieder passiert, haben wir einen ganz aberwitzigen Plan gefasst. Wir wagen den nächsten großen Schritt und kaufen uns ein Haus! Aber alleine der Entschluss führt ja noch zu nichts. Da kommt noch viel Arbeit auf uns zu.
Die letzten beiden Wochenenden haben wir bereits mit der Haussuche verbracht und haben mittlerweile unsere preisliche Schmerzgrenze nach oben und unsere Erwartungen (ok, MEINE Erwartungen) nach unten geschraubt.

Manch einer von Euch wird sich nun fragen: „Ja wie? Kommen die jetzt gar nicht mehr nach Deutschland zurück? So war das aber nicht ausgemacht!“
Gemach, hoch geschätzte Teutonen! Hier werden Häuser ge- und verkauft wie gebrauchte Autos. Wir machen das nur aus finanziellen und nestbauerischen Überlegungen. Weniger Steuern zahlen, die Miete in ein eigenes Haus stecken und machen können, was man will hört sich sehr viel besser an als jedes Jahr umziehen zu müssen, weil die Vermieter Amok laufen…
Wir kommen wieder, keine Frage! 🙂

Aber zurück zur Haus-Suche…
Wir hatten ursprünglich in Alameda angefangen und unsere Suche aufgrund hoher Preise und mangelnder Objekte dann eher aufs East-Bay-Festland verlagert. Hayward, San Leandro, Oakland, Castro Valley waren da so unsere Hauptziele. Nach zwei Wochenenden stundenlanger Suche in diesen Gebieten haben wir beschlossen, dass wir die Insel einfach nicht verlassen möchten. Hier ist es so schön, so sicher, so nah an allem dran. Und das Klima ist unschlagbar. Wir werden uns also weiter hier umsehen. Einen Realtor haben wir jetzt auch schon fast klar gemacht und die Bankbesuche stehen für diese Woche auf dem Plan. Ich habe noch etwas Angst vor der eigenen Courage, aber langsam gewöhne ich mich doch an den Gedanken und freue mich sogar schon drauf, mal wieder was neues zu erleben.

Woran ich mich aber wirklich noch gewöhnen muss (anfangs blieb mir einfach nur die Spucke weg, mittlerweile betrachte ich diese Erlebnisse unter rein soziologischen Gesichtspunkten): Immobilienmakler reden nicht mit mir. Die ignorieren mich. Wenn ich wegen einer Hausbesichtigung einem Makler auf den AB spreche, ruft mich der nie zurück. Wenn Maurice dasselbe tut, bekommt er innerhalb weniger Stunden freudige Rückrufe. Wenn wir uns ein Haus ansehen, wird Maurice die Hand gegeben, ich hingegen scheine nur als schmückendes Beiwerk empfunden zu werden. Maurice wird nach seinem Einkommen gefragt, nach seinen Zukunftsplänen, seinen Vorstellungen. Ich stehe daneben und kann mich gar nicht genug wundern. Bank-Fuzzis reden übrigens auch nicht mit mir. Gefangen in einem 50er-Jahre-Albtraum, that’s me… 🙂

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The girl comes around

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Als fleißige Marktforschungsübersetzerin wollte ich mich ja unbedingt auch mal in die Rolle der Befragten begeben. Quasi zur Feldforschung. Da traf es sich gut, dass Yahoo! in Sunnyvale Leute für eine Benutzerstudie suchte. Diese New-Media-Riesen haben ja immer was aufregendes, geradezu magisches an sich. Wie wäre es wohl, wenn man da einen Job ergattern könnte? Naja, das Unternehmen, das mit G anfängt und mit oogle aufhört, hat mich ja ob meiner exorbitanten Gehaltsvorstellungen nicht genommen. Aber wer weiß, vielleicht haben die Yahoo-Nasen sich ja heute so in mich verliebt, dass sie mir morgen gleich einen Posten in der Chef-Etage anbieten 🙂

Also aufgrund der von mir unterschriebenen Verschwiegenheitserklärung kann ich über die eigentlichen Aufgaben, die ich heute dort verrichtet habe, nichts weiter sagen. Aber alleine die Anmeldung an der Rezeption ist schon einen kleinen Bericht wert.

Ich komme also am Research-Gebäude auf dem Yahoo-Campus an, stelle mich auf den für mich reservierten Parkplatz und betrete das Gebäude. Viel lila springt mir entgegen, ein enormer Empfangstresen, niemand an der Rezeption. Beim Näherkommen fällt mir der große Flatscreen auf, der auf den Tresen montiert ist. Darunter ein Touchscreen, den ich ein bisschen zögerlich berühre. Es klingelt, plötzlich springt der Bildschirm an und ein freundlicher Mensch vermutlich indischer Herkunft lächelt mich nett an und fragt nach meinem Begehr. Da ich ein kleines Fensterchen mit meinem Bild in der oberen Ecke des Bildschirms entdecke, gehe ich davon aus, dass ich per Webcam in ein geheimes Repzeptionszimmer übertragen werde. Oder so.
Der Rezeptionsmensch weist mich freundlich auf eine kleine PC-Station im Wartebereich hin, wo ich meinen Namen und den meiner Kontaktperson eingebe und beides sowie die Verschwiegenheitserklärung bestätige. Dann rattert das Gerät neben dem PC und es wird mein Badge ausgedruckt, das ich mir anschließend ans T-Shirt klebe. Noch mal kurz Platz genommen und schon holt mich der Marktforscher ab und verbringt eine kurzweilige Stunde mit mir. Tja, willkommen im 21. Jahrhundert! So läuft das heute. Da spart man sich die Rezeptionistin und lässt einen armen Programmierer vom Arbeitsplatz aus Empfangstätigkeiten erledigen.

Dramen, Dramen

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Heute gab es in Oakland mal wieder heftigsten Polizeieinsatz. Polizeihelikopter, SWAT-Teams  und was sonst noch so dazu gehört (z. B. katastrophale Verzögerungen im ÖNV). An die kreisenden Hubschrauber haben wir uns hier schon gewöhnt, da ja letztes Jahr Occupy Oakland nicht weit von der Insel permanent unter Beobachtung aus der Luft stand.

Dieses Mal ging es aber leider nicht um (mehr oder weniger) friedliche Demonstranten.
Schrecklicherweise hat ein Mann in einem College in Oakland mindestens 7 Menschen erschossen und noch mehr verletzt, bevor er dann auf MEINER friedlichen Insel in MEINEM Safeway gestellt wurde. Alles sehr gruselig und auch ein bisschen furchteinflösend. Irgendwie kann man es sich als blauäugiger Mitteleuropäer gar nicht so richtig vorstellen, dass hier Leute mit geladenen Waffen im Supermarkt unterwegs sein könnten. Leute, die auch einfach mal austicken könnten. Da hilft nur eins: nicht dran denken. Genauso, wie man nicht an Erdbeben denkt, die einem ja mit noch viel höherer Wahrscheinlichkeit begegnen können.

Unser persönliches „Drama“ (das nach solchen Neuigkeiten natürlich sehr viel von seiner ursprünglichen Dramatik verloren hat): wir müssen uns darauf einstellen, dass wir bald aus unserem wunderschönen Haus raus müssen. Heute war unsere Vermieterin mit drei Maklern zur Hausbesichtigung da und wird uns dann Ende der Woche mitteilen, ob Sie das Haus dieses Jahr noch verkaufen oder mit einer ordentlichen Mieterhöhung weiterhin vermieten will. In beiden Fällen stünde uns ein Auszug bevor. Sehr schade. Aber immerhin: auf zu neuen Abenteuern.
Ich habe mir schon ein paar Häuser rausgesucht, die wir uns in Kürze ansehen werden. Drei davon gleich um die Ecke des oben erwähnten Safeways. Halleuja, ich kauf mir dann doch mal nen Baseballschläger für unter’s Bett…