Service-Land USA

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Wer faul ist, hat es hier leichter als in Deutschland. Und damit meine ich nicht Faulheit á la „ich bin zu faul, arbeiten zu gehen“, denn das ist hier eher schwierig, wenn man ein Dach über dem Kopf und Essen auf dem Tisch haben möchte. Ich meine eher die alltäglichen Sachen.

Dinge wie Auto waschen zum Beispiel. Seit wir in Oakland wohnen habe ich ja einen eigenen Wagen. Gewaschen habe ich den allerdings noch nie selbst. Alle paar Wochen (wenn nicht gerade die große Dürre herrscht), fahre ich beim Autowäscher meines Vertrauens vorbei, dort wird mein Kleiner dann handgebohnert und gesaugt, die Luft wird nachgesehen und bei Bedarf wird Duft im Wageninneren versprüht. Währenddessen sitze ich in der „Lounge“ und labe mich an einem Kaltgetränk, während ich auf einem Großbildfernseher die neueste Soap ansehe. Und das alles für unter 20$. Maurice‘ Hemden werden für 1$ pro Stück gewaschen und gebügelt, manchmal kommt eine Putzfrau fürs Gröbste und meine Fenster habe ich auch noch nie selbst geputzt. Da wir Schiebefenster haben, ist es für mich fast unmöglich, im oberen Stockwerk außen zu putzen, da lasse ich doch gleich alles von der Rundum-Glücklich-Fensterputzfirma machen. Hin- und wieder hilft mir eine nette Mexikanerin im Garten (nein, nicht die Schwiegermutter 🙂 und meine Zehennägel werden von einer noch netteren Vietnamesin gefeilt und lackiert. DAS meine ich mit Faulheit.

Manchmal habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, aber meistens finde ich es einfach nur PRIMA! Leider bedeutet das wohl auch, dass ich jetzt im Establishment angekommen bin. Blöd.

Die letzten drei Monate

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Wenn sich hier jemand wundert, warum die olle Alexa endlich mal wieder mehr postet. Hm, naja… ich bin gerade in der Facebook-Fastenzeit… und irgendwo müssen sich meine kreativen Ergüsse ja ergießen, ne?!

Facebook ist da besonders praktisch, weil man sich dort sehr kurz fassen und einfach ein par Bilder hinrotzen kann, die Leser sind dankbar. Längere Beiträge liest eh kein Schwein, denn in der Kürze liegt die Würze und die allgemeine Aufmerksamkeitsspanne geht eh gegen null. Aber da schreibe ich immer nur Englisch und mein Deutsch muss ja schließlich auch gepflegt werden…

So, dann berichte ich mal die Highlights der letzten Monate seit meinem vorletzten Posting im November. Viele waren es nicht, das kann ich gleich mal vorausschicken, damit keine Enttäuschung aufkommt. Ich bin eben mal die Bilder auf meinem Handy durchgegangen und wenn ich all die Essensfotos abziehe, bleiben noch ein paar Meilensteine der letzten drei Monate übrig.

Ende November sind wir wieder nach Kalifornien zurückgereist und haben uns auf ein paar nicht so tolle Feiertage eingestellt. Alles war ein bisschen düster und traurig, das Wetter kalt und unsere Stimmung entsprechend. Auf einen richtigen Weihnachtsbaum hatten wir keine Lust und haben uns auch vom Weihnachtshorror der amerikanischen Innenstädte fern gehalten. Aber immerhin ein Rosmarinbäumchen und das obligatorische Lebkuchenhaus waren drin.

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Am zweiten Weihnachtsfeiertag kam mein alter Freund Mark aus LA zu Besuch. Das ist mittlerweile schon zur Tradition geworden. Er besucht über Weihnachten seine Familie in Cupertino und kommt dann für einen launigen Abend in unserer Lieblings-Cocktailbar zu uns.

Hier die Vorbereitung auf das Saufgelage am Abend: Mark und Maurice vor einer bayrischen Brotzeit mit Radi und Butterbrot und jeder Menge fermentierter Experimente.

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Zwischen den Jahren waren dann Räumarbeiten angesagt. Unsere Garage, die kein Auto beherbergt, weil sie zu klein ist und die wir als Stauraum nutzen, bekam ein nagelneues Ordnungssystem und mehrere Regale verpasst. Jetzt kann man da wirklich rein gehen und findet auch so manche Dinge wieder. Unglaublich, wie viel Schrott sich bei uns in den vergangenen (noch nicht mal) 5 Jahren angesammelt hat.

Mark musste übrigens auf der Couch schlafen, weil wir das aufblasbare Bett in der Garage nicht mehr gefunden hatten. Ich glaube, das gab den Ausschlag zur Aufräumwut!

Maurice hat schnell wieder zu arbeiten angefangen, aber bei mir ist zwischen Weihnachten und Mitte Januar meiste wenig los, daher habe ich mich rumgetrieben. War im Museum, habe Freunde getroffen, war beim Boxkampf. Meine Freundin Sara hatte sich nämlich für 2014 vorgenommen, mindestens zehn verschiedenen Sportveranstaltungen beizuwohnen. Der Boxkampf im Dezember war dann das 10. Event. Und ich war hautnah dabei. Man kann sagen ich habe Blut geleckt.

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Außerdem haben wir (Sara, ihre Frau Andrea und ich) angefangen, Pilates zu machen, da Sara sich vorgenommen hat, in 2015 zehn verschiedene Sportarten selbst auszuprobieren. Sieht einfach aus, leider kann man hinterher zwei Tage nicht aus dem Haus, weil man sich nur in Minischritten bewegen kann…

An Silvester waren wir bei einem Freund in Oakland eingeladen, der sich erst vor kurzem einen Whirlpool zugelegt hatte. Die Party fand also draußen statt, mit überdachtem Buffet (Kaviar und Champagner!) und einigen offenen Lagerfeuern in seinem Garten. Das Motto war „Brasilianisches Silvester“ und es wurde darum gebeten, in silber und weiß gekleidet zu erscheinen. Zwischen den weißen Gestalten sprangen auch ein paar Nackerte und semi-Nackerte herum (Whirlpool….). Um Mitternacht wurde eine Diskokugel in den Whirlpool heruntergelassen und ein in Windeln gekleidetes Neujahrsbaby zählte die Minuten herunter. Kein Scheiß, das war die skurrilste Silvesterfete, der ich je beigewohnt habe – und das will was heißen. Die Nacht hat wohl einige Ausfälle verursacht, mehrere Gäste haben keine Erinnerung mehr daran. Ich persönlich habe mich aber an Apfelsaftschorle gehalten und auch der Mann war nur ansatzweise alkoholisiert.

Im Januar kamen dann meine Schwiegermutter und ihre Schwester zu Besuch und es wurde RICHTIG interessant 🙂

Die beiden Damen haben uns nämlich den gesamten Garten hinterm Haus umgestaltet. So wahnsinnig viel Lust auf Sightseeing hatten sie nicht (wir haben aber trotzdem einiges gesehen, haben die typischen Touri-Ausflüge unternommen, waren auf Alcatraz (die AI WEIWEI Ausstellung war der Hit und auch das Gefängnis selber sehr sehenswert), im Winchesterhouse, beim Outlet-Shopping und im Mormonentempel in Oakland) und so gingen sie mit Elan an die Gartenarbeit. Meine Eltern hatten sich ja bei ihrem Besuch Anfang des Jahres die Beete vor dem Haus vorgenommen und nun war der Rest dran.

Ein paar Eindrücke von Alcatraz:

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Und hier ein paar Fotos der fertiggestellten „Umbauarbeiten“:

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Wir wussten bereits vorher, dass der Garten mal wunderschön gewesen sein muss. Ältere Nachbarn, die schon lange hier wohnen, haben uns immer wieder von Alice erzählt. Wenn ihr euch an Fleur erinnert, über die ich hier schon mal geschrieben hatte – Alice war ihre Tante. Sie muss eine sehr außergewöhnliche Frau gewesen sein. Ihr Mann war Pianist und hat oft bei geöffneten Fenstern die ganze Nachbarschaft mit seinem Klavierspiel unterhalten. Alice hat bis ins hohe Alter einen echten Märchengarten gepflegt. Sie hat ihn immer weiter ausgebaut, kleine Mäuerchen errichtet usw. Von all dem war nichts mehr zu sehen, da die letzten ca. 15 Jahre (seit ihrem Tod 1999) kein Mensch etwas in diesem Garten getan hatte. Mir wurde auch jedes Mal angst und bange, wenn ich den Hügel nur von weitem sah. Dadurch, dass so viele Bäume auf dem Grundstück stehen und die auch sehr viel Blattwerk (und im Fall der Eukalyptus-Bäume Rinde) verlieren, war der gesamte angelegte Garten unter Torf verborgen. Hilde und Rosmarie haben also gut zwei Wochen jeden Tag gearbeitet, Mauern, Wegplatten und Stufen freigelegt, Büsche gerodet, neue Mäuerchen gebaut, Pflanzen versetzt und neue Pflanzen eingesetzt. Wir haben sehr gestaunt – und uns auch sehr gefreut. Denn plötzlich hatten wir einen wunderschönen Garten. Und man muss sich das mal vorstellen: die beiden haben so geschuftet – es ist aber noch mal so viel Garten übrig, der noch gar nicht angegriffen wurde. Momentan hoffen wir, dass sie nächstes Jahr dem kalten deutschen Winter wieder entfliehen möchten. Das wäre wirklich super! 😉

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Anfang Februar reiste der Besuch ab und ich wurde erst mal richtig fies krank – und bin es leider immer noch. Jetzt dann bald vier Wochen. Zwischendrin war ich mal zwei Tage ganz gut drauf, genau richtig zur Oscar-Verleihung letztes Wochenende, der ich dieses Jahr zwar nicht in LA beiwohnen konnte, aber immerhin inmitten der besten Oscarparty-Crowd ever! Ohne Maurice, denn den hatte ich da bereits mit meiner der Grippe infiziert.

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Am nächsten Tag lag ich wieder flach. Und das tue ich nach wie vor. Und nunja… meine krankheitsbedingte Langeweile muss ja irgendwie beseitigt werden. Darum Blog. Habt ihr ein Glück!

Und übrigens, das bin ich… falls ihr nicht mehr genau wisst, wie ich aussehe…

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Singing in the rain

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Es regnet! Nie, nie, nie hätte ich gedacht, dass mich das Geräusch von Regentropfen an der Fensterscheibe dermaßen in Entzücken versetzen könnte. Jedenfalls nicht vor meinem Umzug nach Kalifornien.

Es liegen drei regenarme Winter hinter uns. Drei wunderbare, sonnige Winter. „Ohne-Socken-in-den-Schuhen-im-Januar“ wunderbar. Diesen Januar und Februar haben wir Gemüse im Garten geerntet. Salat, Karotten, Rettich, jede Menge Petersilie. Die ersten Tomaten- und Bohnenpflänzchen gehen gerade auf. Es ist Ende Februar.

Und jetzt regnet es. Wir geben uns keinen Illusionen hin, es wird gleich wieder vorbei sein. Im Januar gab es keinen Tropfen Regen. Im Februar zumindest mal drei oder vier regnerische Tage. Aber das reicht im Leben nicht aus. Jetzt hoffen wir auf den März und den April. Und dann ist es eh vorbei mit dem Regen bis mindestens Oktober. Dann heißt es wieder Wasser sammeln. Mittlerweile wasche ich keinen Salatkopf mehr, ohne das Wasser aufzufangen und in den Garten zu tragen. In der Dusche steht ein Eimer – solange das Wasser zum Erwärmen durchläuft, wird es aufgefangen. Der Durchlauf der Toilettenspülung wurde um die Hälfte reduziert. Kein Tropfen wird verschwendet.

Auto waschen im Sommer? Fehlanzeige! Rasen? Ha! Wir setzen auf Kakteen, Steine, Efeu. Der Gemüsegarten und die Blumen, die unsere Bienen dringend brauchen, bereiten uns ein schlechtes Gewissen. Wir werden wohl nicht ganz ohne zusätzliches Gießen auskommen, das gesparte Wasser aus dem Haus wird nicht ganz ausreichen. Aber wir tun unser Bestes. Und pflanzen weiterhin Dürre-resistente Blumen, damit unsere Bienchen es gut bei uns haben.